Wir sind jung und brauchen die Welt

Dorian Mazurek, Raven gegen Atomkraft. Aufgeheizt: Der Protest in den Vereinigten Staaten wird härter. Aktivisten im Porträt: Paul Ferris, Der Zukunftsstratege.
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Daniel Boese

Wir sind jung und brauchen die Welt Wie die Generation Facebook den Planeten rettet

Mit einem Vorwort von Harald Welzer

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Dieses Buch wurde klimaneutral hergestellt. CO2-Emissionen vermeiden, reduzieren, kompensieren – nach diesem Grundsatz handelt der oekom verlag. Unvermeidbare Emissionen kompensiert der Verlag durch Investitionen in ein Gold-Standard-Projekt. Mehr Informationen finden Sie unter www.oekom.de. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2011 oekom, München oekom verlag, Gesellschaft für ökologische Kommunikation mbH, Waltherstraße 29, 80337 München Lektorat: Uta Ruge Umschlaggestaltung: www.buero-jorge-schmidt.de Umschlagabbildung: gettyimages (Illustration »Erde«) Satz + Layout: Sarah Schneider, oekom verlag Druck: fgb. freiburger graphische betriebe Dieses Buch wurde auf FSC-zertifiziertem Recyclingpapier und auf Papier aus anderen kontrollierten Quellen gedruckt.. Circleoffset Premium White, geliefert von Igepagroup, ein Produkt der Arjo Wiggins. FSC (Forest Stewardship Council) ist eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die sich für eine ökologische und sozialverantwortliche Nutzung der Wälder unserer Erde einsetzt. Alle Rechte vorbehalten ISBN 978-3-86581-252-0 e-ISBN 978-3-86581-614-6 hier bitte FSC-Logo einsetzen

Daniel Boese

Wir sind jung und brauchen die Welt Wie die Generation Facebook den Planeten rettet

Mit einem Vorwort von Harald Welzer

Für Joanna

Vorwort

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Harald Welzer

_______________________________________TEIL I_______ Vor Kopenhagen: Die Jugend legt los Die Gipfelstürmer: Wie die klimarevolutionäre Jugend sich ihren Platz bei den Vereinten Nationen erobert

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Lernen von den Alten: Unruhe in den Vereinigten Staaten

31

Aktivisten im Porträt: Kim Nguyen, On the Road

45

Grüne Nerds: Wie das Internet die Rettung des Klimas beschleunigt

49

Aktivisten im Porträt: Anna Keenan, Gegen die Kohle

64

Der träge Pionier: Deutschland vertrödelt die Energiewende

68

Aktivisten im Porträt: Dan Glass, Flughafen-Blockierer

81

Wildwuchs: Nirgendwo wächst die Klimabewegung schneller als in Indien

86

Aktivisten im Porträt: Melina Laboucan-Massimo, Gegen die Teersande

101

Der Weckruf: Wie Amerikas junge Aktivisten Lobbyisten besiegen

105

_______________________________________TEIL II_______ Nach Kopenhagen: Kampf für’s Klima Aktivisten im Porträt: Kevin Buckland, Blogs aus einer schmelzenden Landschaft

120

Willkommen in Utopia: Ein deutscher Chemiker startet die Design-Revolution

123

Aktivisten im Porträt: Andrew Tobert, Klimasturm mit Tweed und Schärpen

134

Tempomacher: Wie China den grünen Kapitalismus antreibt

137

Aktivisten im Porträt: Felix Finkbeiner, Plant for the Planet

151

In Afrika: Jugendliche machen Entwicklungsländer zu Pionieren

155

Aktivisten im Porträt: Charlie Young, In Kiribatis Diensten

175

Zeitenwende: Deutschland nach dem Atomzeitalter

177

Aktivisten im Porträt: Dorian Mazurek, Raven gegen Atomkraft

192

Aufgeheizt: Der Protest in den Vereinigten Staaten wird härter

197

Aktivisten im Porträt: Paul Ferris, Der Zukunftsstratege

207

Tipping Point: Wird die Bewegung stark genug?

213

____________________________________ANHANG_______ Klimakampfchronik: Aktionen, Aktivisten und ihre Ahnen

230

Die 50 wichtigsten Jugendkampagnen der Welt (und 25 Websites, die man kennen muss)

237

Internet-Glossar

250

Abbildungsnachweis

251

Dank

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Vorwort

Dies ist ein Buch über eine soziale Bewegung, die nicht viele Leute kennen. Dieser Satz ist nicht so absurd, wie er auf den ersten Blick erscheint: Alle sozialen Bewegungen, von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bis hin zur Frauenbewegung, waren zu Beginn bis auf einige prominente Akteure weitgehend unsichtbar und bestanden hauptsächlich aus einer latenten Community, in der nicht wenige gar nicht wussten, dass sie schon dazugehörten und zum selben Reformprojekt beitrugen. So steht es im Moment auch um die Bewegung, die Daniel Boese vorstellt, indem er über ihre Aktivisten berichtet, ihre Geschichte(n) erzählt. Die Aktivisten eint vor allem, dass sie jung sind und zu Recht um die Zukunft besorgt, aber nicht nur um ihre eigene, sondern um die der Überlebensbedingungen der Menschheit insgesamt. Ihre Suche gilt demgemäß der verlorengegangen Zukunftsfähigkeit, und hier vor allem der Bekämpfung eines Lebensstils und einer Konsumkultur, die Umweltfolgen in einer Weise zeitigt, dass das Klimasystem aus den Fugen zu geraten droht. Boese schreibt aber kein weiteres Buch über den Klimawandel (davon gibt es ja auch genug), sondern eines über die Entstehung einer politischen Gegenbewegung gegen die globale Kultur der Verantwortungslosigkeit. Dass diese Gegenbewegung vor allem von jungen Menschen getragen wird, ist kein Zufall: Denn sie sind es ja, die noch eine Zukunft zu verlieren haben. Und sie sind es auch, denen das Internet und die sozialen Netzwerke nicht nur Kommunikations-, sondern Organisationsmedien sind. Daraus resultieren Engagement- und Protestformen, die ein weit größeres Bewegungspotenzial bereithalten als die inzwischen etwas abgestandenen Formen des Straßenprotests mit ihren intellektuell schmerzhaften Parolen (»hopp hopp hopp – Atomkraftwerke stopp« usw.). Auch darin liegt ein Moment der Unsichtbarkeit, nämlich für diejenigen, die in der neuen

Vorwort

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Protestkultur nicht zuhause sind und nicht verstehen, dass sich da gerade etwas ganz Neues entwickelt. Seit dem Entstehen der ersten Ökologiebewegung sind vier Jahrzehnte vergangen, und damit hat sich nicht nur die Katastrophenkommunikation (»Es ist 5 vor 12!«) so sehr veralltäglicht, dass sie zur medialen Benutzeroberfläche so dazugehört wie die Sportnachrichten oder die Meldung des täglichen Anschlags in Afghanistan. In der Zwischenzeit haben auch Tschernobyl und Fukushima ihre generationenübergreifenden Verheerungen angerichtet, und seither ist es nicht mehr nur ein kleiner Teil der Welt, nämlich der Westen und – wie damals noch – der Ostblock, die die natürlichen Ressourcen plündern und den Planeten zerstören, sondern die Leitkultur der Zerstörung und Verschwendung hat sich globalisiert. Alles geht jetzt viel schneller, auch der Anstieg des Energieverbrauchs und der Emissionen. Daniel Boese macht mit seinen Reportagen über die neuen Aktivistinnen und Aktivisten, Assoziationen und Aktionen klar, dass die Globalisierung der Zukunftsprobleme mit globalisierten Bewegungsformen beantwortet werden kann und beantwortet wird: und zwar so, dass die Kommunikation darüber, was man warum wo unternimmt, weltweit stattfindet, der konkrete Protest aber immer seinen Ort und immer eine nationale Politik, einen einzelnen Konzern, eine lokale Zerstörung zum Gegenstand hat. So wie es auch in einer Welt des Internets das Bier immer noch an der Theke gibt, so muss eine Bewegung gegen das zerstörerische Business as Usual Orte haben, Wege zurücklegen und an konkrete Menschen gebunden sein, die irgendwo sind, Flashmobs organisieren oder Petitionen formulieren, mit dem Fahrrad nach Kopenhagen fahren, Abgeordnete stressen oder Verwirrung stiften. Und noch etwas macht dieses Buch deutlich: dass eine politische Bewegung immer eine Sache sozialen Lernens und der Herstellung von Gemeinsamkeit ist: Widerstände zu überwinden, Ziele zu erreichen, Spaß zu haben, Freunde zu finden – das gehört zur Entstehung einer sozialen Bewegung viel mehr als das ewige Vorführen von PowerPoints zu CO2-Emissionen, die unablässige Berechnung von Carbon Footprints und die wissenschaftliche Beweisführung dessen, was jedes siebenjährige Kind ohnehin schlüssig darlegen kann: dass unendlicher Ressourcenkonsum in einer endlichen Welt nicht möglich ist. Auch deshalb übrigens sind alle sozialen Bewegungen immer auch Generationenprojekte: Das war bei der Anti-Atomkraftbewegung so und ist auch in der »Arabellion« der Fall. Es sind die jungen Gesellschaftsmitglieder, die den Ausverkauf der Zukunft am ehesten spüren und die dabei am meisten

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Harald Welzer

zu verlieren haben. Alle sozialen und politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts waren Generationenprojekte; sie alle haben ihren Ausgangspunkt darin, dass gesellschaftliche Eliten die Lebens- und Zukunftschancen monopolisieren und die nachfolgenden Generationen damit konfrontieren, dass ihnen jetzt, leider, nicht mehr so viel übrig bleibt. »Aber empört Euch, macht was draus, dafür habt ihr alle unsere Sympathien …« Kein Wunder, dass die in ihren Konturen sich abzeichnende neue soziale Bewegung selbst die Zukunft und die Generationengerechtigkeit zum Inhalt hat; der Klimawandel ist ihr Anlass und ihr Kristallisationskern, aber ihre politische Sprengkraft liegt darin, dass es um die Zukunft geht. Überall tauchen daher Begriffe wie »Enkeltauglichkeit« (wie beim »Morgenland«Festival in Liechtenstein) auf oder Vorsätze wie der, ein »guter Vorfahre« sein zu wollen. Dass damit Zukunft selbst wieder zum Kernbestand des Politischen wird, dürfte ein wesentliches Verdienst der neuen sozialen Bewegung sein. Wenn es sie denn gibt. Denn nicht wenige Leser werden ja die ganze Zeit schon denken: »Wo zum Teufel ist sie denn, diese angebliche soziale Bewegung?« Gerade im Entstehen. Daniel Boese ist ein Überbringer der allerneuesten Nachrichten von ihr. Sein Buch ist wichtig, um die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was da gerade entsteht und seine Gestalt sucht, um Geschichten zu haben, die man weitererzählen kann, um Ideen zu haben, die man nachmachen kann, um Communities zu finden, von denen man ein Teil werden kann. All die Geschichten, die in diesem Buch erzählt werden, sind Geschichten vom Arschhochkriegen, Geschichten darüber, wie viel Spaß es macht, selbst verantwortlich zu sein für das, was man tut. Und natürlich auch für das, was man lässt. In diesen Geschichten geht es auch um das Experimentieren einer gesellschaftlichen Praxis, die Exits aus der Kultur der Ressourcenübernutzung und der Zukunftsvergessenheit sucht und die sie mit dieser Suche zugleich bahnt. Das mag einstweilen noch punktuell sein und wenig machtvoll erscheinen. Aber so haben, wie gesagt, alle sozialen Bewegungen begonnen, bevor sie die Welt verändert haben. Sie werden immer von Minderheiten vorangetrieben, und fünf Prozent einer Bevölkerung reichen locker, um die Verhältnisse in Bewegung zu bringen. Wer dieses Buch liest, möchte mit Sicherheit zu diesen fünf Prozent gehören. Harald Welzer, im Juli 2011

Vorwort

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_______________________________________TEIL I_______ Vor Kopenhagen: Die Jugend legt los