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Jahrhunderte sind vergangen, seit die Hexen Europa verlassen haben. Zu viele ihrer Art waren zwischen die Fronten geraten, in einem sinnlosen Krieg, den die.
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Sophie R. Nikolay

König der Vampire Hexentanz Fantasy Romance

© 2012 AAVAA Verlag Alle Rechte vorbehalten 1. Auflage 2012 Umschlaggestaltung: Sophie R. Nikolay Printed in Germany ISBN 978-3-8459-0363-7 AAVAA Verlag www.aavaa-verlag.com e Books sind nicht übe rtragbar! Es ve rstößt ge ge n das Urhebe rrecht, dieses We rk we ite rzuve rkaufe n ode r zu versche nke n Alle Pe rsone n und Name n inne rhalb dieses Romans sind fre i e rfunde n. Ähnlichke ite n mit le be nde n Persone n sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Prolog

Jahrhunderte sind vergangen, seit die Hexen Europa verlassen haben. Zu viele ihrer Art waren zwischen die Fronten geraten, in einem sinnlosen Krieg, den die Vampire und Werwölfe gegeneinander ausfochten. Sy, die derzeit mächtigste Hexe und Hexenmeisterin des Volkes, wusste von ihrem Vater, weshalb der Krieg vor vielen Jahren begonnen hatte. Aus genau dem gleichen Grund sind einige Kriege und Kämpfe begonnen worden. Aus Sturköpfigkeit, Ignoranz und Dummheit. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die Wölfe, in kleine Clans unterteilt, auf dem europäischen Kontinent gelebt. Zu den Vampiren hatten die Werwolfclans Abstand gehalten, ebenso zu den Elfen und Hexen. Die Werwölfe waren unter sich geblieben, in ihrer eigenen Rangordnung gefangen. Bis zu dem Tag als sich Elenor, eine junge Wölfin und Karim, ein ebenso junger Vampir über den Weg gelaufen waren. Sie hatten sich verliebt und das 3

Schicksal hatte seinen Lauf genommen. Die Eltern der beiden waren gegen diese Liebe gewesen, und hatten eine Beziehung zwischen den beiden jungen Leuten verboten. Aber das ungleiche Paar hatte sich trotz dessen weiterhin getroffen. Die Lage hatte sich nach einigen Monaten so sehr zugespitzt, dass die Väter der beiden jungen Liebenden, sich bekämpft hatten. Das ging bis zu dem Punkt, dass sich die beiden Kontrahenten gegenseitig umbrachten. Das war der Startschuss für einen unsinnigen Krieg gewesen, bei dem sich Jahrzehnte später keiner mehr genau erinnern konnte, weshalb er begonnen worden war. Die Vampire und Werwölfe bekämpften sich über Jahrhunderte, wobei beide Arten enorme Verluste hinnehmen mussten. Elisabetha Catherina hatte alles verändert. Sie war gekommen, wie Etienne es gesehen hatte. Sie war die Königin der Vampire geworden und hatte nicht nur den Frieden gebracht, sondern auch den gesamten Haushalt umgekrempelt. Nun war es an der Zeit, auch den Hexen freundschaftlich zu begegnen.

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Kapitel 1

Nach einem ruhigen Frühstück fuhr Eli mit Vincent und Sy zu ihrem Haus. Vincent hatte ihr versichert, dass es keine Spuren mehr von dem Mord an den beiden Wölfen gab. Alles war gereinigt worden. Trotzdem fühlte sich Eli unwohl, als sie in die Einfahrt einbogen. „Das ist hübsch“, stellte Sy fest, als sie ausstieg. „Ja. Eigentlich schon, wenn man darüber hinweg sehen kann, was da drin geschehen ist“, gab Eli zurück. „Eli! Jetzt mach bitte das Haus nicht schlecht! Jedes Haus hat eine Geschichte“, warf Vincent ein. Eli brummte, doch sie gab sich geschlagen. Sy streckte ihre Fühler aus. Ein paar negative Schwingungen konnte sie schon ausmachen, aber mehr noch die Angst, die in der Aura des Gebäudes lag. Es war nicht schwer für sie, diese Angst zu ersetzen. Sie nahm einfach etwas Freu5

de aus sich selbst heraus und verwob sie mit ihren Worten. Für Vincent und Eli war nicht bemerkbar und schon gar nicht sichtbar, was Sy gerade tat. Die Menge an Kraft, die ihr innewohnte, machte es zu einer Lappalie, die Ausstrahlung des Gebäudes zu verändern. Nun, eigentlich bereinigte sie ja die Aura des Hauses, aber was spielte das schon für eine Rolle? Sy sprach die Worte, die sie gebrauchte, nicht aus. Sie nutze die Magie still und unbewegt nach außen hin. Das war ein Grund, warum Hexen von vielen gefürchtet wurden. Sy verstand das nicht. Keine Hexe würde grundlos jemandem ein Leid zufügen, also musste man sich auch nicht vor ihnen fürchten! Sie ahnte bereits, dass es einige Hürden zu überwinden galt, wenn die Hexen nach Europa zurückkehrten. Einige der Vampire und Werwölfe würden sich sicherlich fürchten, wenn sie der Macht der Hexen begegneten. Nun ja, nicht jede Hexe war stark und keine so mächtig wie Sy, und sie gebrauchte ihre Macht weise. Eli riss sie aus ihrem Gedankengang heraus. 6

„Willst du das Haus bloß von außen ansehen oder kommst du mit rein?“ „Oh. Natürlich komme ich mit rein. Ich war in Gedanken“, gab Sy zurück. Vincent lächelte sie charmant an. Er schien zu ahnen, was sie eben getan hatte. Sy lächelte zurück und zwinkerte ihm zu. Eli öffnete die Haustür und blieb auf der Schwelle stehen. Sy hatte den Eindruck, sie würde ungern hineingehen. Eli schien sich jedoch einen Ruck zu geben und trat in den Flur. „Willkommen in meinem Haus, Sy. Dass, wenn du möchtest, jetzt dir und den anderen Hexen gehört“, sagte Eli über die Schulter hinweg. Sy folgte ihr und trat ebenso in den Flur. Wirklich hübsch hier, so geschmackvoll!, dachte sie und wandte sich an Eli. „Danke Eli. Es ist ein schönes Haus und es ist sehr großzügig von dir, es uns zu überlassen“, gab Sy zurück. „Sie wollte von Anfang an, dass es einem guten Zweck dient“, meinte Vincent und sah Sy bedeutungsvoll an.

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„Das tut es. Ein schöneres Willkommensgeschenk hätte mein Volk nicht bekommen können.“ „Sieh dich in Ruhe um, ich bleibe lieber unten und warte“, sagte Eli. Sy nickte und ging den Flur entlang. Ein helles Wohnzimmer lag am Ende, viel Licht strömte durch die großen Fenster herein. Die Möbelstücke waren chic und sorgfältig ausgewählt. Sy konnte nicht fassen, welches Glück ihr widerfuhr. Mit einer solch großzügigen Geste und so viel Freundlichkeit konnte sie nicht rechnen, als sie im Flugzeug gesessen hatte. Sie wollte nur deshalb nach Deutschland kommen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass wirklich Frieden zwischen den Wölfen und Vampiren herrschte. Nun, wo sich das bestätigt hatte und auch eine neue Art geboren war, gab es keinen Grund mehr für die Hexen, Europa fern zu bleiben. Sie konnten nach Hause kommen. Zurückkehren zu ihren Wurzeln. Darauf hatte Sy lange gewartet. Die Küche gefiel ihr, alles darin war sorgfältig geplant und durchdacht. Die Schlafzimmer und 8

das Bad im oberen Stockwerk überzeugten Sy, das großzügige Geschenk von Eli anzunehmen. Dass eines der Zimmer eindeutig für ein Baby eingerichtet war, störte sie dabei nicht. Für den Anfang konnte es erst mal so bleiben, wie es war. Sie würde ja doch nur mit Quentin zusammen das Haus bewohnen, bis weitere Hexen herkommen würden. Wenn sie denn wollten. Und sicherlich nicht von heute auf morgen. Niemand ließ alles stehen und liegen und zog in ein anderes Land. Nur, für Sy war es keine Frage, ob sie blieb oder nicht. Wenn Quentin zurück wollte, konnte sie ihn nicht aufhalten, doch sie würde bleiben. Als mächtigste Hexe hatte sie eine Vorbildfunktion. Wenn sie hier in Deutschland lebte, folgte sicher ein großer Teil ihres Volkes nach. Und sie hatte im Gefühl, dass Quentin nicht nach Asien zurückkehren würde. Warum konnte sie nicht sagen. Sy stieg die Treppe wieder herunter. Eli stand neben der Eingangstür und lehnte sich an der Wand an.

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„Ich nehme dein Geschenk an. Das Haus ist wirklich schön und bietet viel Platz für den Anfang.“ Eli lächelte. „Also dann. Willkommen zu Hause.“ „Wann ziehst du ein?“, fragte Vincent. „Keine Ahnung! Juli wird Quentin und mich ja nicht in den nächsten fünf Minuten aus ihrem Haus werfen. Aber im Laufe der nächsten Tage“, erklärte Sy. Eli nickte zu der Ausführung, dann warf sie Sy den Hausschlüssel zu. „Wir müssen das schriftlich festhalten. Die Schenkung sollte beurkundet sein“, merkte sie an. „Wenn du das möchtest“, gab Sy zurück, während sie den Schlüssel fing. „Dann lasst uns zurückfahren und Juli die Neuigkeiten erzählen“, meinte Vincent und ging hinaus zu seinem Auto. Eli und Sy folgten ihm. Sy zog die Haustür zu und schloss das Haus ab. Ihr Haus. Sie konnte es kaum glauben.

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In Julis Haus schlug Sandra die Augen auf. Es war beinahe elf Uhr und es wunderte sie nicht, dass sie so lange geschlafen hatte. Nachdem sie vergangene Nacht das Bild gezeichnet hatte, war sie spät ins Bett gegangen. Oder früh, es kam ganz darauf an, wie man es sehen wollte. Jetzt rieb sie sich über die Augen, warf einen kurzen Blick auf das fertige Bild und ging ins Bad. Sie brauchte zuerst eine Dusche, dann mindestens einen Kaffee, um richtig wach zu werden. In der Küche nahm sie sich einen Becher Kaffee und setzte sich damit vor die Tür. Die Sonne schien strahlend vom klaren Himmel. Allerdings war es jetzt schon warm, dass Sandra lieber wieder hineinging. Kurz darauf hörte sie Vincents BMW vorfahren. Eli würde bestimmt bei ihm sein, deshalb wartete Sandra. Dem Gefühl in ihrem Mund nach zu urteilen, würde sie bald wieder Blut brauchen. Sandra hatte sich nicht getäuscht, Vincent kam mit Eli und Sy durch die Tür. „Guten Morgen“, grüßte Sandra die drei.

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„Hallo. Wie guten Morgen? Hast du so lange geschlafen?“, wunderte sich Eli. Sandra nickte. „Ich habe gezeichnet“, sagte sie zur Erklärung. „Wer ist es diesmal?“, fragte Vincent. „Das sage ich euch nicht. Ich habe noch mehr Motive im Kopf, lasst euch einfach überraschen.“ „Hast du Juli schon gesehen?“, fragte Eli. „Nein. So lange bin ich noch nicht auf, und war mir diesen Kaffee besorgen. Dann habe ich das Auto gehört. Eli, ich vermute, ich benötige bald deine Hilfe“, gab Sandra zurück. „Das habe ich mir bereits gedacht.“ „Geht nur. Sy und ich werden Juli schon finden“, meinte Vincent. „In Ordnung. Du weißt ja, wo du uns findest“, sagte Eli zwinkernd und ging mit Sandra hinauf. Sy sah den beiden Frauen nach. „Sandra ist Elis Zögling, sie braucht Blut“, meinte Vincent zu ihr. „Ach so. Und Juli finden wir im Büro“, gab Sy zurück.

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„Woher weißt du das?“, fragte Vincent entgeistert. „Ich kann dir sagen, wo sich jeder Einzelne im Haus aufhält. Jeder Körper hat eine Aura und die ist leicht zu finden. Und da Juli in einem Raum mit einem Schreibtisch sitzt, liegt dieser Schluss nahe.“ „Echt? Das ist ja praktisch.“ „Wie man es nimmt. Manch einer ist sicherlich nicht froh darüber, dass ich weiß, wo er sich momentan befindet“, meinte Sy zwinkernd. „Naja, wenn man gerade auf dem Klo hockt, sicher nicht!“ Vincent lachte. „Das meinte ich zwar nicht, aber diesen Standort gibt man auch nicht gerne preis“, sagte Sy. Sie hatte etwas ganz anderes gemeint. Denn so, wie sie die Auren erkannt hatte, waren Kai und Cosimo gerade mit intimen Dingen beschäftigt. Aber das musste sie Vincent nicht auf die Nase binden. Er akzeptierte die beiden als Paar. Warum sollte es ihn wundern, wenn sie auf diese Weise zusammen waren? Nun folgte sie ihm durch einen Flur und näherte sich immer mehr der Aura von Julietta. 13

Sy hatte erst einen Teil des Hauses sehen können, aber je mehr sie sah, umso eher traf es auf Juliettas Position als führende Wölfin zu. Gerade lief sie mit Vincent an einer Ahnengalerie vorbei. Unzählige Werwölfe hingen hier porträtiert an den Wänden. Überhaupt sprach dieses Haus von Reichtum, und allein die Größe beeindruckte Sy. Von außen war es schon imposant, aber die Inneneinrichtung, von der sie mehr und mehr zu sehen bekam, übertraf den ersten Eindruck noch. Hexen machten sich nichts aus materiellen Dingen, doch wenn Vincent ebenfalls ein solch großes, herrschaftliches Haus wie Julietta besaß, würde Sy sich das noch überlegen. Als stärkste Hexe hatte sie einen wichtigen Posten, nicht nur innerhalb der eigenen Art. Aber war es denn als Oberhaupt wichtig, in solchem Prunk zu leben? Sy brach ihren Gedankengang ab, als Vincent stehen blieb und an eine Tür klopfte. Ohne Aufforderung trat er ein und das wunderte Sy. Julietta und Vincent, als Anführer verschiedener Arten, gingen derart freundschaftlich miteinander um? Gut, sie hatten Frieden geschlossen und 14

zurzeit lebte der gesamte Haushalt von Vincent unter Juliettas Dach. Aber rechtfertigte das, in einen Raum unaufgefordert einzutreten? Sie hatte den Eindruck, diese beiden verband nicht bloß der Frieden, sondern ebenso eine enge Freundschaft. Sy tat es Vincent nach und folgte ihm in den Raum. An einem Schreibtisch, der mittig stand, saß Julietta. „Hallo ihr beiden“, grüßte diese freundlich. „Wir haben dir etwas mitzuteilen. Sy besitzt ab sofort ein eigenes Domizil“, sagte Vincent. „Ach? Wie das? Und so schnell noch dazu.“ Juli sah beeindruckt aus. „Eli hat ihr Haus verschenkt“, erklärte Vincent. „Das hat sie. Und ich habe es gerne angenommen. Auch wenn mich dein Angebot, vorerst hier zu bleiben, sehr schmeichelt“, sagte Sy dazu. „Dann ist für das Haus doch noch ein guter Verwendungszweck gefunden. Und ich meinte das ernst. Du und Quentin, ihr könnt so lange hierbleiben, wie ihr möchtet“, bot Juli erneut an.

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