Programmiert in Buche - Gumpp & Maier GmbH

Softwareunternehmen will grün bauen. Ein deutscher Architekt, der dem Holz generell nicht abgeneigt ist, hat die Entwicklung des Buchenfurnier- schichtholzes ...
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Michael Reitberger

F Eckhart Matthäus, Pollmeier coverstory

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2012 war es, als Ralf Pollmeier im Rahmen der Klagenfurter Holzmesse die „BauBuche“ der Öffentlichkeit vorstellte – mit den abschließenden Worten: „Entweder wird es ein Riesenerfolg oder ein Riesenreinfall.“ Von einem Reinfall lassen sich nun vier Jahre danach zumindest keine Anzeichen erkennen. Zahlreiche Objekte sind mittlerweile in ganz Europa mit diesem Baustoff entstanden, der eine völlig neue architektonische Ästhetik verspricht. Ob sich aber bisher der viel erhoffte „Riesenerfolg“ einstellte, sodass sich die MegaInvestition von über 100 Mio. € in ein Furnierschichtholzwerk rechnet, weiß man wohl nur in Pollmeiers Führungsetage in Creuzburg – immerhin gilt es, eine Presse mit einer Kapazität von über 150.000 m³/J (im Dreischichtbetrieb) auszulasten. Ein Trend, der ankommt Was dem deutschen Laubholzexperten und seinem Unternehmen auf jeden Fall hoch anzurechnen ist: Plötzlich scheint es ganz normal, in Europa Gebäude mit Buchenholz zu bauen. Davon hätte sich noch vor ein paar Jahren niemand zu träumen getraut. Der neuartige Werkstoff hat sich innerhalb der Holzbranche und des gesamten Bauwesens rasant etabliert. Das ist auch einer Glanzleistung von Pollmeiers Marketing zu verdanken, das gezielt Architekten und Planer anspricht. Man will vor alDie neue Zentrale des Softwareherstellers euregon in Augsburg ist das lem jene von der Buche überzeugen, DER BAUHERR WOLLTE erste dreigeschossige Gebäude aus Buchenfurnierschichtholz. die keinen Wert auf mächtige Träger- BEWUSST EIN BÜROGEBÄUDE querschnitte und imposantes AuftreSCHAFFEN, IN DEM SICH DIE ten der Gebäudekonstruktionen legen. ANGESTELLTEN WOHLFÜHLEN Der Buchenträger soll sich zurücknehUND WOHIN SIE GERNE men, soll grazil erscheinen und seine Unternehmen wünschte, der nicht nur ZUR ARBEIT GEHEN. Kraft im Verborgenen lassen. So wird technisch modern, sondern auch ökoeine leichtere Form der Architektur mit logisch sinnvoll umgesetzt werden Holz möglich, die auch schon tief verwurzelte Stahlsollte. Lattke nutzte die Chance, sich der Buche anbauprofis überzeugte. Und eben hier liegt das große zunähern und schaffte damit unbeabsichtigt das bis Potenzial des Baustoffs: als CO2-sparende Alternative dahin höchste, mit BauBuche umgesetzte Objekt – in der Anwendung bei großen Spannweiten, um dem den neuen Sitz der Softwareschmiede euregon in Stahl eine optisch sehr viel ansprechendere KonkurAugsburg. renz zu machen. „Der Bauherr wollte bewusst ein besonders attraktiSoftwareunternehmen will grün bauen ves Bürogebäude schaffen, um den Angestellten des Ein deutscher Architekt, der dem Holz generell nicht Unternehmens eine Atmosphäre zu bieten, in der sie abgeneigt ist, hat die Entwicklung des Buchenfurniersich wohlfühlen und wohin sie gerne zur Arbeit geschichtholzes in den vergangenen Jahren mit Freude hen“, so der Architekt. Gute Softwareentwickler sind verfolgt: Frank Lattke aus Augsburg. An ihn trat 2014 gefragt und ein überdurchschnittlich häufiges Wechein Bauherr heran, der sich einen Bürobau für sein seln des Arbeitgebers gilt quasi als n

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Ein klares No-Go: Wasser Neben einer Reihe von Vorteilen beim Einsatz von Buchenholz besteht allerdings auch ein gravierender Nachteil: Es verträgt nicht einmal geringe Mengen Wasser. Leider ist es in Augsburg während des Bauvorgangs zu einem leichten Regenwassereintrag gekommen. Besonders bei sichtbarem Holz kann das zu unschönen Ergebnissen führen. Architekt Lattke fand dagegen allerdings ein Hausmittel: Oxalsäure. Damit lassen sich feuchte Stellen behandeln und die ursprüngliche Optik nahezu wiederherstellen. Und täglich grüßt die Preisfrage „Mit Holz gelingt es, Arbeitsplätze in Wohnraumqualität zu schaffen. Das gilt auch, wenn Buche zum Einsatz kommt. Buchenfurnierschichtholz ist insofern ein faszinierender Baustoff, weil er ermöglicht, die tragende Konstruktion auf ein Minimum zu reduzieren. So faszinierend die Buche aber ist, so teuer ist sie leider auch. Wer genau nachrechnet, kommt im Gesam-

ten aber doch auf ein sich bezahlt machendes Ergebnis“, erläutert Lattke seine Erfahrungen. Mit rund 700 €/m³ gibt der Architekt den Preis für das Buchenfurnierschichtholz an. Im Vergleich dazu: Fichte-Brettschichtholz kostet rund 480 €/m³. Allerdings können durch die höheren Festigkeiten von Buche weit kleinere Querschnitte verwendet werden – bis zu einem Drittel schlanker (die Biegefestigkeit der BauBuche ist annähernd dreimal so hoch wie von Brettschichtholz aus Fichte). Wäre das euregon-Gebäude in Fichte-BSH gebaut worden, so hätte man dafür rund 115 m³ gebraucht – in BauBuche waren es tatsächlich 80,3 m³. So gleicht sich der höhere Kubikmeterpreis der Buche im Vergleich zur Fichte durch die absolute Materialeinsparung wieder aus. Architekt Lattke stellt zum vieldiskutierten Preisthema abschließend klar: „Ein wichtiges Verständnis habe ich aus meinen bisherigen Holzbauprojekten mitgenommen: Mit Holz zu bauen ist grundsätzlich nicht teuer. Was wirklich teuer ist, ist die Haustechnik." e

Die Gebäudetechnik ist laut Architekt Frank Lattke Preistreiber Nummer eins. Abgehängte Deckenelemente sorgen dafür, dass zumindest die Instandhaltung dieser Technik leicht zugänglich und somit günstiger ist.

Markenzeichen dieser Branche. Mit weiten, offenen Büroräumen, die dank groß dimensionierter Fensterflächen mit reichlich Tageslicht versorgt werden, dem Einsatz gesunder Baustoffe sowie moderner Gebäudetechnik soll dem Abwandern der Programmierer in berühmtere Zentren der Informationstechnologie vorgebeugt werden. Dem zuträglich ist auch die grüne Umgebung des Gebäudes. Es befindet sich auf einer Konversionsfläche einer ehemaligen US-Kaserne, die heute einen prachtvollen Erholungspark offeriert. Als

weiterer, nicht zu unterschätzender Wohlfühlfaktor im Freien dient den Mitarbeitern von euregon ein zwei Meter breiter Balkon, dessen Lichteinfall von einem Fassadenvorhang weiß lasierter KVH-Latten filettiert wird und so auch im Hochsommer angenehme Schatten auf den Lärchenholzboden wirft. Buche durch und durch Im Kern ist das Gebäude ein klassischer Skelett-Holzbau – nur eben nicht aus Fichte, sondern aus Buche. Hauptträger mit einem Querschnitt von 20 mal 40 cm spannen über die Stützen von 20 mal 20 cm in einem Raster von 5,10 m. Über der sichtbaren Balkendecke mit Trägern von 12 mal 32 cm liegen im Raster von 85 cm Buchenfurnierschichtholz-Platten mit 40 mm Stärke. Der Fußbodenaufbau bringt mit einer Latexgebundenen 12 cm hohen Splittschüttung Gewicht auf die Decke, um das Schwingungs- und Schallschutzverhalten der Konstruktion positiv zu beeinflussen. Nord- und Südseite des Gebäudes sind geöffnet. Eine Pfosten-Riegel-Fassade mit Dreifachverglasung – ebenfalls aus Buche – steht vor der Hauptstützenebene.

Ein zwei Meter breiter Balkon kann von den Mitarbeitern für Pausen oder zum FreiluftProgrammieren genutzt werden.

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PROJEKTDATEN Standort: Augsburg Fertigstellung: 2016 Architektur: Frank Lattke, www.lattkearchitekten.de Tragwerksplanung: bauart konstruktions GmbH, www.bauart-konstruktion.de Holzbau: Gumpp & Maier, www.gumpp-maier.de Verbaute Holzmenge: 354 m3 Bruttogeschossfläche: 1335 m2