ONE-Bericht „Stabilität Finanzieren“ Die wichtigsten Ergebnisse

20.06.2016 - die unmittelbare Not von Geflüchteten zu lindern und die Entwicklungshilfe zum Erreichen der SDGs gleichzeitig und zusätzlich finanziert ...
224KB Größe 4 Downloads 36 Ansichten
ONE-Bericht „Stabilität Finanzieren“ Die wichtigsten Ergebnisse Der Bedarf an Entwicklungs- und humanitärer Hilfe ist aktuell auf dem höchsten Stand seit Jahrzenten und er wächst stetig. Wenn sich die Trends fortsetzen, werden sich 2030 die Kosten für humanitäre Hilfe auf 50 Mrd. US-Dollar jährlich verdoppeln – genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Welt die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) erreicht haben will. Gleichzeitig benötigen gerade die am wenigsten entwickelten Länder mehr Mittel, um sich langfristig entwickeln zu können und extreme Armut und Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden. Wenn Fluchtursachen langfristig bekämpft werden sollen, müssen Maßnahmen, um die unmittelbare Not von Geflüchteten zu lindern und die Entwicklungshilfe zum Erreichen der SDGs gleichzeitig und zusätzlich finanziert werden. Der prognostizierte Finanzbedarf für akute humanitäre Krisen liegt für das Jahr 2016 bei 20,3 Mrd. US-Dollar. Die Gesamtkosten zu beziffern, um weltweit eine langfristige und nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten, ist schwieriger. Einige Schätzungen gehen von 148 Mrd. USDollar jährlich aus, damit Sozialtransfers, Bildung und universelle Gesundheitsversorgung für alle finanziert werden können. Es bleibt eine jährliche Finanzierungslücke von 84 Mrd. US-Dollar – davon 73 Mrd. US-Dollar in Ländern mit niedrigem Einkommen. Andere berechnen einen Bedarf von 1,4 Billionen US-Dollar pro Jahr für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, damit sie die SDGs bis 2030 erreichen können. In jedem Fall sind erheblich mehr Finanzmittel nötig, um akute Krisen und langfristige Entwicklungszusammenarbeit zu finanzieren. Wohin es führen kann, wenn nicht genug Mittel für beides zur Verfügung stehen, zeigt die aktuelle Flüchtlingskrise in Europa: Einige Länder ziehen die Mittel zur Flüchtlingsfinanzierung im Inland von ihrer Entwicklungshilfe im Ausland ab. 2015 sind aufgrund der Flüchtlingskrise in Europa manche Geberregierungen zu den größten einzelnen Empfängern ihrer eigenen Entwicklungshilfe geworden, auch Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Gebern sind die Mittel aber zusätzlich zu bestehender Entwicklungshilfe, auch wenn Deutschland die Ausgaben für Flüchtlinge im Inland als Entwicklungshilfe anrechnet. Um sowohl in reiche Länder geflüchteten Menschen als auch den Menschen in den ärmsten Ländern der Welt die Möglichkeit zu geben, ein produktives Leben zu führen, sind erhebliche finanzielle Ressourcen und politische Reformen nötig. Daher gibt ONE drei Empfehlungen ab (Details im Gesamtbericht): 1. Aufstockung der Finanzmittel für langfristige Entwicklungszusammenarbeit als auch humanitäre Hilfe in Entwicklungsländern; Gewährleistung größerer finanzieller Flexibilität. 2. Kosten zur Versorgung von Flüchtlingen im Inland müssen zusätzlich zu Entwicklungshilfe sein. 3. Verbesserung der Datenbasis und Rechenschaftspflicht rund um alle Hilfsgelder (Entwicklungshilfe und humanitäre Hilfe), Verbesserung der

ONE-Bericht „Stabilität Finanzieren“ Die wichtigsten Ergebnisse Langfristigkeit, Flexibilität und Transparenz von Hilfsgeldern, um einen effektiven Einsatz zu gewährleisten. Auf der internationalen Webseite von ONE finden Sie unter www.one.org/map interaktive Karten, die u.a. folgenden Fragen visualisieren: Wo leben die meisten Flüchtlinge? Welchen Anteil ihrer offiziellen Entwicklungshilfe wenden Aufnahmeländer für Flüchtlinge im Inland auf? (Am 20.6.2016, legt der UNHCR neue Zahlen vor, die ONE in die Online-Karten integrieren wird. Die UNHCR-Zahlen, die derzeit genutzt werden, sind von Mitte 2015. Etwa an dem23. Juni liegen die interaktiven Karten auch auf Deutschen vor.)

Die wichtigsten Zahlen aus dem Bericht 1. Flüchtlingskosten Inland  Von 2014 auf 2015 stiegen die Flüchtlingskosten in den DAC-Geberländern auf mehr als das Doppelte. Sie machten 9,1 Prozent der gesamten ODA aus (nach 2,8 Prozent in 2010 und 2,2 Prozent in 2008).  In den Budgets von fünf DAC-Mitgliedsländern machten die Flüchtlingskosten im Jahr 2015 im Geberland mehr als 20 Prozent der gesamten ODA aus: Schweden (33,8 Prozent), Österreich (26,8 Prozent), Italien (26,1 Prozent), Niederlande (23,0 Prozent) und Griechenland (20,6 Prozent).  Während sich der Anteil der ODA, die DAC-Länder für Flüchtlingskosten im eigenen Land aufwendeten, seit 2010 verdreifachte, sank der ODA-Anteil, den diese Länder für LDCs ausgaben, im selben Zeitraum von 33,3 auf 29,5 Prozent.  Deutschland rechnet die Flüchtlingskosten im eigenen Land zwar ebenfalls als ODA an. Diese betreffen aber nicht den BMZ- oder AA-Haushalt. Dadurch werden die steigenden Inlandskosten für die Flüchtlingshilfe die geplanten ODA-Erhöhungen von 8,3 Mrd. Euro in den nächsten vier Jahren nicht schmälern. 2. Geographische Verteilung der Flüchtlinge  Entwicklungsländer beherbergen über 86% der Flüchtlinge.  In Subsahara-Afrika leben 4,1 Millionen Flüchtlinge; das sind 27% aller Flüchtlinge weltweit. Damit ist Subsahara-Afrika die Region mit dem größten Anteil an Flüchtlingen weltweit.  Von weltweit 38 Millionen Binnenflüchtlingen leben 77 Prozent in nur 10 Ländern, von denen die Hälfte afrikanische Länder südlich der Sahara sind. 3. Kosten Humanitäre Krisen  Das UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (UNOCHA) prognostizierte die Kosten für koordinierte humanitäre Hilfe auf 20,3 Milliarden US-Dollar für 89 Millionen Menschen in 39 betroffenen Ländern. Bis Ende April waren davon 19 Prozent (3,8 Milliarden US-Dollar) finanziert. 2015 wurden nur 52 Prozent des vorab prognostizierten Bedarfs finanziert.