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MAKSYM YEMELYANOV/FOTOLIA

Österreich

Klage gegen Online-Casinos

Glücksspiel-Geschädigte können ihre Verluste einklagen.

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Samstag I 11. Mai 2019 I www.kurier.at/chronik rier

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Räuberisch oder harmlos?

APA/DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Debatte. Die Rückkehr des Wolfs spaltet die Bevölkerung: Die einen empfinden seine Anwesenheit als bereichernd, andere sehen den Wolf ausschließlich als Bedrohung.

„Sie zu bejagen, kann die Probleme noch vergrößern“

JUERG CHRISTANDL

„Allein die Gesetzeslage verpflich- legaler Abschüsse zunimmt, wenn tet uns, in beidseitig erträglichem man legale erlaubt. Heute ist ganz Maß mit Wölfen zusammenzu- Mitteleuropa Wolfsgebiet. Teile leben. Wölfe verursachen ja nicht davon, etwa die Alpen, ganz wolfsnur Schäden, sondern bereichern frei zu halten, ist weder gesetzlich die Artenvielfalt, auch indem sie möglich noch praktisch machbar. Füchse und Golfschakale Wenn Landwirte auf unter Kontrolle halten. Herdenschutz verzichten, sind Risse vorprogramZudem können wir in einer Zeit extremen miert. Dass beim HerdenArtensterbens nicht einschutz viel zu wenig passiert, ist offensichtlich. fach weitermachen wie bisher. Menschliches Das wäre aber der SchlüsWirtschaften hat uns an sel zu einem konfliktden ökologischen armen Zusammenleben. Abgrund geführt, wir Die Vergrämung Kurt Kotrschal ist können nicht mehr alles durch Gummigeschoße vernichten, was die Pro- Wolfsforscher und funktioniert kaum, denn duktion stört. ein Jäger müsste genau fordert Schutz Der Wolf trägt als Teil dann auf einer Weide der heimischen Fauna auch zur Ver- anwesend sein, wenn der Wolf besserung der Gesundheit des Wil- kommt. Einzelne Wölfe zu jagen, des bei. Denn er erkennt viel besser die sich auf Nutztiere spezialisiert als jeder Jäger kranke und schwa- haben, stößt auf dieselben Probleche Tiere. Dabei rotten Wölfe das me. Sie in freier Wildbahn zu identiWild nicht aus, im Gegenteil: Wild- fizieren, ist kaum möglich. Rund dichten bestimmen Wolfsdichten. 70 Prozent der Österreicher sind Wolfsfreie Gebiete durch Bejagung zudem dafür, dass Wölfe hier leben zu schaffen, ist nicht nur in der Pra- können und sollen. Wolfsfreunde xis kaum umzusetzen, sondern und jene, die den Wolf als Bedrokönnte Probleme sogar vergrößern. hung sehen, müssen letztlich Eine Untersuchung in den USA zusammenarbeiten. Wir werden hat gezeigt, dass die Schäden bei uns darauf einstellen müssen, dass Nutztieren sogar zunehmen, wenn Wölfe in Österreich leben. Auch als Wölfe bejagt werden. Außerdem Ausdruck des Respekts und der zeigte sich, dass auch die Zahl il- Achtung vor den Mitgeschöpfen.“

Böser Wolf

FAKTEN CHECK

„Er hat keinen Platz in unserer Kulturlandschaft“

30 bis 35 nachgewiesene Wölfe in Österreich (derzeit)

Lebensraum: Der Großteil lebt in drei Rudeln – alle im nördlichen Waldviertel. Etwa 10 Wölfe sind umherziehende Einzeltiere.

Zahl der Nutztier-Risse: 160 124

30

35

21

'14 '15 '16 '17 '18 Die Zahl der Wölfe schätzt man anhand von DNA-Proben und Bildern aus Fotofallen. Quelle: LKNOE

„Unsere Weidewirtschaft hat sich dieBesitzer,dieseTierezusuchen,zu über mehr als hundert Jahre ohne bergenoderzumTierarztzubringen, den Wolf entwickelt. Das jetzt zu ist unzumutbar. Natürlich verenden ändern, wäre ein Rückschritt, der auf Almen auch Tiere ohne Wolfsmit moderner Weidehaltung nichts angriff, aber das ist nicht verzu tun hat. Wir fordern, dass man gleichbar. Weidegebiete auch durch Deshalb gilt es, nicht Abschüsse von Wölfen Symptome, sondern die Ursache, den Wolf, einfreihält, weil der Herdenschutz einfach viel zu aufzudämmen. Das sehen wendigistundeineAufgawir übrigens bei Fischotter und Biber, die auch be darstellt, die nicht zu bewältigen ist. Speziell Schäden verursachen, gilt das im alpinen Raum. genauso. Die dafür notwendigen Denn es gibt zu Zäune wären gar nicht diesem Thema auch eine finanzierbar und hätten Johannes Schmuck- gesellschaftlich-ethische enschlager will außerdemEinflussaufdie Frage: Welches Tier ist Tourismuswirtschaft. Das wolfsfreie Gebiete schützenswert? Man kann die Schäden Raubtier oder das Nutzdurch Schutzmaßnahmen nicht in tier? Für uns ist die Antwort eindeutig: das Nutztier. Wir halten Tiere, den Griff bekommen. Auch eine Behirtung entspricht damit sie ein Teil unserer Nahrungsnicht mehr der modernen Almwirt- grundlage bilden, indem sie Milch, schaft und wäre außerdem wirt- Eier und Fleisch liefern. Wir sehen, dass es in Mitteleuropa keine geeigschaftlich nicht tragbar. Es geht aber auch um Emotio- neten Biotope für ein friedliches nen.DieBauernfamilienhabeneine Nebeneinander gibt. Daher fordern Verbindung zu ihren Tieren und wir die Reduktion der Wolfspopulasind tief betroffen, wenn welche tion. Und bei der ganzen Thematik ist die Nutztierhaltung das Erste, getötet oder verletzt werden. Es gibt zwar eine wirtschaftliche was im Fokus steht. Über die SicherEntschädigung für gerissene Tiere, heit der Menschen & Bauern diskuaber oft sind weit mehr Tiere betrof- tieren wir viel zu wenig. Denn dort fen, weil ganze Herden in ihrer Panik wo Nutztiere gehalten werden, sind abstürzen könnten. Der Aufwand für auch Lebensräume von Menschen.“ GILBERT NOVY

Guter Wolf

57.000 Unterschriften gegen den Wolf

Der Druck der Bauernschaft steigt. In Salzburg wurde erst diese Woche wieder vehement gefordert, dass der Wolf zum Abschuss freigegeben wird. In Niederösterreich initiierte die Landwirtschaftskammer mit Unterstützung vom Bauernbund unter dem Titel „Sicherheit für unsere Bevölkerung“ sogar eine Unterschriftenaktion. Beim Almwandertag im August des Vorjahres war damit gestartet worden. Mittlerweile wurden bereits 57.689 Unterschriften gesammelt. Alexander Bernhuber, Kandidat des Bauernbundes NÖ für das EU-

Parlament, hat diese Petition zu seiner Wahlkampfmunition gemacht. „Das Maß ist voll. Fast 60.000 Landesbürger, die in Angst leben, sind genug. Sie müssen von der Politik endlich ernst genommen werden“, sagt Bernhuber. Und: „Ich fordere daher den sofortigen Abschuss von umherstreifenden Problemwölfen und eine gezielte Dezimierung der Population.“ Die Unterschriftenliste will man EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber übergeben, von dem man sich erhofft,dasseralsmöglicherkünftiger EU-Kommissionspräsident die-

se Themen wieder in die Verantwortung der Regionen legt. In der Zwischenzeit werden weiter Unterschriften gesammelt.

Klare Mehrheit gegen Wolf In NÖ wurden zwar bereits Möglichkeiten geschaffen, dass Wölfe trotz des EU-Artenschutzes in bestimmten Fällen von Jägern erlegt werden können, doch das reicht dem Bauernbund nicht. Man will, dass das „praxisfremde EU-Reglement der sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“ fällt, wodurch der Wolf geschützt ist.

NÖ BAUERNBUND/GABRIELE MOSER

Petition. Bauernbund fordert Änderung der EU-Bestimmungen / Schweiz beschließt Freigabe des Abschusses

Alexander Bernhuber fordert ein Einlenken in Brüssel

Der Wolf sorgt derzeit nicht nur in Österreich für heftige Reaktionen. So beschloss diese Woche der Schweizer Nationalrat, dass Wölfe künftig im Zeitraum zwischen 1. September und 31. Jänner vorbeugend „entnommen werden dürfen“.

Die Behörden sollen Tiere zum Abschluss freigeben dürfen, wenn Schaden droht. Nicht erst – wie der Bundesrat vorgeschlagen hatte –, wenn von Wölfen Schaden angerichtet worden ist. In Deutschland haben einige Umweltminister der Bundesländer gefordert, dass vom Kanzleramt endlich eine eindeutige Linie vorgegeben wird, wie mit dem Wolf umgegangen werden kann. Und in Südtirol wurden in der Nacht auf Samstag Mahnfeuer gegen den Wolf entzündet. – MARTIN GEBHART