Halbjahresergebnis 2006

Die Finanzierung wurde im wesentlichen vom Kantonalen Renaturierungsfonds übernommen. Das benötigte Land wurde von der BKW kostenlos beigestellt.
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Es gilt das gesprochene Wort

Eine gemeisterte Herausforderung Bännliboden, ein Schritt zur Renaturierung des Aarestaus Bannwil

Referat von Peter Hässig, Produktmanager Wasserkraftwerke der BKW FMB Energie AG

Sehr geehrte Damen und Herren Vielleicht geht es Ihnen wie mir, wenn Sie entlang der Aare am Stau Bannwil dahin wandern. Ich habe jedenfalls den Eindruck in einer intakten Flusslandschaft zu sein. Grüne Wiesen und Wälder, unberührte Uferabschnitte und das Schutzgebiet Vogelraupfi vermitteln ein idyllisches Bild. Wo denn besteht hier die Notwendigkeit für Renaturierungsmassnahmen? So war ich denn, ich gebe es zu, vorerst überrascht, als die Autoren des „Leitbilds für die Renaturierung des Aarestaus Bannwil“ an zahlreichen Flussabschnitten Handlungsbedarf anmeldeten. Die BKW FMB Energie AG als bedeutendste Anbieterin von zertifiziertem Ökostrom aus Wasserkraft ist offen für die ökologische Aufwertung von Staugebieten. Seit der Zertifizierung ihres Wasserkraftwerks Aarberg nach dem europaweit strengsten Ökostromlabel naturemade star im Jahr 2000 besteht eine Sensibilisierung für grüne Anliegen. Das „Leitbild für die Renaturierung des Aarestaus Bannwil“ von Wasser-Fisch-Natur, Gümmenen, wurde sorgfältig studiert und zu den vorgeschlagenen Massnahmen verbindlich Stellung bezogen. Denn die BKW ist von den geplanten ökologischen Aufwertungen in zweifacher Hinsicht betroffen: als Konzessionärin und als Landeigentümerin. Im Gegensatz zu anderen Flusskraftwerken besitzt die BKW beim Kraftwerk Bannwil umfangreiche Uferparzellen. Die meisten der vorgeschlagenen Massnahmen waren somit nur mit Unterstützung der BKW zu realisieren. Unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten wurden die Aufwertungsmassnahmen drei Kategorien zugewiesen: Massnahmen ohne kritische Randbedingungen, sofort umzusetzen

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Typische Beispiele sind die Renaturierung des Seebachs und die ökologische Aufwertung des Bännlibodens.

Massnahmen mit technischen oder rechtlichen Schwierigkeiten, vertiefter zu prüfen Typische Beispiele sind die Renaturierung des Steibächlis oder die Schaffung eines Seitenarms im Stutzacher. Massnahmen, deren Realisierung aus technischen oder Hochwasserschutzgründen abzulehnen ist Typische Beispiele sind Kiesschüttungen im Raum Wangen a. A. oder das Zurücksetzen der Uferlinie in Unter Berken.

Aus der ersten Kategorie konnten in den letzten Jahren bereits einige Projekte realisiert werden. Unter anderen die ökologische Aufwertung des Bännlibodens, deren Fertigstellung wir heute feiern können. Diese Aufwertung wurde im Leitbild mit folgender Zielsetzung vorgeschlagen:

„Zwischen Uferweg und Blockwurf soll das Ufer abgeflacht und mit kleinen Buchten oder Schüttungen neu strukturiert werden. Landseitig des Uferwegs können neue Amphibienweiher im bereits feuchten Terrain ausgehoben werden.“

Aus der Sicht der BKW stand einer Realisierung nichts entgegen: die BKW war Landeigentümerin, die Hochwassersicherheit war unkritisch und es waren keine technischen Anlagen betroffen. So konnte ein rascher Projektfortschritt erzielt werden. Die Projektstudien des Leitbilds wurden 2002 von Sigmaplan, Bern, in einem „Vorprojekt zur gewässerökologischen Aufwertung des Aareufers“ konkretisiert und in den fünf Modulen „grosse Uferbucht“, „Flachufer“, „Erholungsschwerpunkt“, „Amphibiengewässer“ und „Hechtteich“ detailliert beschrieben.

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Daraus entwickelte die BKW, Abteilung Engineering Wasserkraftwerke, im Oktober 2003 das definitive Baugesuch, welches ohne Probleme bewilligt wurde. Die Realisierung wurde aus organisatorischen und finanziellen Gründen in zwei Etappen aufgeteilt: im Winter 2005/06 der oberwasserseitige Bereich Hechtteich und im Winter 2006/07 der untenliegende Bereich Wald Bännliboden.

Bei der Planung und Ausführung der Bauarbeiten war eine Vielzahl von Akteuren eingebunden. Deren Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel stellte eine anspruchsvolle Herausforderung dar und erforderte eine enge Zusammenarbeit. Die Finanzierung wurde im wesentlichen vom Kantonalen Renaturierungsfonds übernommen. Das benötigte Land wurde von der BKW kostenlos beigestellt. Als Bauherren ergänzten sich die Fischpachtvereinigung Oberaargau und die BKW. Die Ingenieurarbeiten wurden von der BKW und lokalen Fachbüros ausgeführt. Dabei hat sich die BKW die sicherheitsrelevante Ausführung der Ufersicherung vorbehalten. Die ökologische Gestaltung wurde vor Ort insbesondere von Planatur AG, Roggwil, konzipiert. Die Zusammenarbeit verlief ausgesprochen erfreulich, so dass alle Bauziele termin- und kostengerecht erreicht werden konnten. Insgesamt wurden in den beiden Bauetappen ca. 10'000 m3 Aushub vorgenommen und eine Bausumme von ca. Fr. 400'000.— verbaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist, entgegen meinen einleitenden Worten, tatsächlich eine deutlich sichtbare Aufwertung für den Aare-Wanderer herausgekommen. Eine Beurteilung der ökologischen Wirkung wird von den kommenden Rednern vorgenommen werden.

Zum Schluss noch einen Ausblick in die nähere Zukunft. Es sind erfreulicherweise weitere Aufwertungsprojekte im Köcher, insbesondere die Schaffung eines gross angelegten Seitenarms im Gebiet Stutzacher. Dieses Projekt übersteigt mit budgetierten Baukosten von Fr. 1'200'000.— die bisherigen Aufwertungsmassnahmen am Stau Bannwil deutlich. Die Finanzierung stellte deshalb lange eine hohe Hürde dar. In einer neuartigen Zusammenarbeit haben sich Pronatura Bern und die BKW anfangs 2007 in einer Bauherrengemeinschaft vereint. Beide sind bereit, einen angemessenen Anteil an die Finanzierung beizutragen. Von

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Seite BKW wird sich voraussichtlich der aus dem Verkauf des Ökostromprodukts 1to1 energy water star gespiesene Ökofonds engagieren. In Folge der erfreulich gestiegenen Nachfrage nach zertifiziertem Ökostrom aus Wasserkraft hat die BKW im Frühjahr 2007 ein zweites Wasserkraftwerk nach den Kriterien von naturemade star zertifiziert: das Kraftwerk Niederried-Radelfingen. Aus dem erzielten Mehrpreis der Ökostromverkäufe ab diesem Kraftwerk können auch ökologische Aufwertungsmassnahmen am Stau Bannwil finanziell unterstützt werden. Damit soll das umweltfreundliche Ökostromprodukt 1to1 energy water star im Oberaargau besser bekannt gemacht werden. Den umweltbewussten Kunden soll die Möglichkeit zur Förderung ökologischer Aufwertungen aus dem geringen Aufpreis von Ökostrom vor Ort sichtbar gemacht werden. Durch den Tatbeweis am Stutzacher hoffen wir weitere Kunden für 1to1 energy water star und damit für ein aktives Engagement zu Gunsten der Natur zu gewinnen. Gerne wird die BKW Sie anfangs des nächsten Jahres über den erfolgten Spatenstich zur Realisierung des Seitenarms Stutzacher orientieren.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.