Erkenne an, was ist! - Boris Grundl

Ohne uns selbst zu limitieren. Dank des ehrlichen CEO-Feedbacks habe ich meine. Lektion gelernt. War es schmerzhaft? Ja. War das anschließende Ringen um Einsicht aufreibend? Ja. War das Umsetzen der Erkenntnis anstrengend? Und wie! Hat es sich wenigstens gelohnt? Ja. Heute steht mein Rollstuhl für Stärke und ...
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grundls grundgesetz Boris Grundl

Paragraf 39

Erkenne an, was ist!



wurde klar: Für einen Führungsexperten im Rollstuhl ist es tatsächlich schwierig, Stärke zu symbolisieren. Das Thema Führung wird primär mit Stärke, ein Rollstuhl mit Schwäche assoziiert. Ich hatte drei Möglichkeiten: 1. Mich über das gesellschaftliche Behindertenbild zu beschweren und gegen Windmühlen zu kämpfen. Ergebnis: Frustration. 2. Mich geschlagen in die Opferrolle zu begeben. Ergebnis: Stagnation. 3. Bei mir zu bleiben, weiter an den inneren Kern meiner Stärke zu Einmal hatte ein Vorstand das glauben und daran zu arbeiten. Ergebnis: Problem, Führungsstärke von einem Transformation. Mann im Rollstuhl zu lernen. Es verlangt Mut, nicht nur seine Sonnenseiten zu betrachten. Es ist eine Kunst, den Blick auf die eigenen Limitierungen auszuhalist, eines wird immer offenbar: Wenn wir etwas mit ten. Ohne Koketterie! Mut und Kunst fehlen, wenn klarem Blick erfassen, erkennen wir an, wie etwas wir andere mehr kritisieren als uns selbst, oder tatsächlich ist und nicht, wie wir es gerne hätten. wenn wir die Leistung anderer kleinreden, statt sie Vielleicht haben Sie es bemerkt: Die Defizite zu würdigen. Stattdessen sollten wir uns selbst anderer sehen wir leichter als deren Fähigkeiten. analysieren. Anerkennen, was ist! Denn erst wenn Deswegen heißt es in der Bergpredigt: „Warum wir die Realität bei uns anerkennen, können wir siehst Du den Splitter im Auge Deines Bruders, aber für das leben, wofür wir gemeint worden sind. Nur den Balken in Deinem Auge bemerkst Du nicht?“ so werden wir bereit für ein Leben mit maximalen Noch schwerer tun wir uns mit uns selbst. Manche Chancen. Ohne uns selbst zu limitieren. geißeln sich trotz herausragender Leistungen mit Dank des ehrlichen CEO-Feedbacks habe ich meine Perfektionswahn. Andere verlangen eine Ehrung, weil sie pünktlich zur Arbeit erscheinen. Die eigenen Lektion gelernt. War es schmerzhaft? Ja. War das anschließende Ringen um Einsicht aufreibend? Ja. Fähigkeiten, Potenziale und Limitierungen zu erkenWar das Umsetzen der Erkenntnis anstrengend? nen, ist extrem schwierig. Aus meiner Erfahrung ist Und wie! Hat es sich wenigstens gelohnt? Ja. Heute das Leben der beste Lehrer dafür. steht mein Rollstuhl für Stärke und öffnet Türen. Vor einigen Jahren sagte der CEO einer PharmaIch bin in diesem Prozess innerlich frei geworden, firma nach einem Vortrag zu mir: „Es ist exzellent, denn ich weiß: Es gibt nur einen Weg, daran zu wie Sie das Thema Führung vermitteln. Inspirierend, wachsen: Bei sich bleiben, nachdenken und konsauber hergeleitet und kompetent präsentiert. Auf sequent handeln. So entwickeln Sie Freiheit und den Punkt. Klasse! Ich habe nur ein Problem, FühStärke, mit denen es keine äußere Anerkennung rungsstärke von einem Mann im Rollstuhl anzunehaufnehmen kann. Denn Sie haben sich selbst anermen.“ Wenn ich diese Geschichte erzähle, dreschen kannt. Es gibt kein größeres Geschenk, das Sie sich die Zuhörer mit der moralischen Keule gedanklich machen können. auf den CEO ein. Auch ich war geschockt, aber mir Anerkennung – was löst dieses Wort in Ihnen aus? Denken Sie zuerst an Lob, Würdigung, Ehrung und Wertschätzung – Anerkennung von anderen? Oder spüren Sie, dass darin noch mehr steckt? Um Anerkennung geht es ebenfalls, wenn wir einen Rechtsanspruch oder Schuld anerkennen. Oder wenn wir unsere eigenen Möglichkeiten oder Limitierungen anerkennen. Doch so vielfältig Anerkennung auch



Boris Grundl ist Managementtrainer und Inhaber der Grundl Leadership Akademie, die Unternehmen befähigt, ihrer Führungsverantwortung gerecht zu werden. Grundl gilt bei Managern und Medien als „der Menschenentwickler“ (Süddeutsche Zeitung). Sein neues Buch heißt: „Mach mich glücklich. Wie Sie das bekommen, was jeder haben will“ (Econ Verlag 2014, 246 Seiten, 18 Euro). Boris Grundl beweist, wie leicht und schnell das Verschieben von Verantwortung in eine zerstörerische Sackgasse führt und die persönliche Weiterentwicklung und damit Glück verhindert. www.borisgrundl.de

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wirtschaft + weiterbildung 10_2015