Der Name der Rose - Buch.de

nung zu einer bestimmten literarischen Gattung kaum möglich ist. Er ist sowohl ein Detektiv-, Kriminal- als auch ein philosophischer oder historischer Roman.
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Königs Erläuterungen und Materialien Band 391

Erläuterungen zu

Umberto Eco

Der Name der Rose von Cerstin Urban

C. Bange Verlag – Hollfeld 1

Herausgegeben von Klaus Bahners, Gerd Eversberg und Reiner Poppe

Hinweis der Herausgeber: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst.

1. Auflage 1998 ISBN 3-8044-1627-6 © 1998 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Printed in Germany

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INHALT Vorbemerkungen .......................................................... 5 1.

Umberto Eco – Leben und Werk

1.1

Lebensdaten des Autors ...................................................... 7

1.2 1.2.1 1.2.2

Werke des Autors ................................................................ 8 Fiktionale Prosa ................................................................... 8 Theoretische und essayistische Schriften ........................... 9

2.

Umberto Ecos Position innerhalb der italienischen Literatur ............................................... 11

2.1

Die Autoren des „gruppo 63“ ............................................. 11

2.2

Grundpositionen im Werk Ecos ......................................... 13

3.

Der Roman: Il nome della rosa

3.1

Inhalt .................................................................................. 16

3.2

Entstehungshintergrund ..................................................... 21

3.3 3.3.1

3.3.2

Die Bedeutung der Romanfiguren im Handlungsgefüge ... 22 Die Hauptfiguren: - William von Baskerville .................................................... 23 - Adson von Melk ............................................................... 26 - Jorge von Burgos ............................................................ 29 Die Nebenfiguren ............................................................... 33

3.4

Aufbau des Textes ............................................................. 55

3.5

Die Erzählsituation ............................................................. 58

3.5.1

Die Erzählung zwischen Fiktion und Wirklichkeit .............. 59

3.6 3.6.1

Aufnahme und Wirkung – Das Stück in seiner Zeit ........... 63 Die Verfilmung ................................................................... 65 3

4.

Interpretationsaspekte

4.1

Der Antichrist ..................................................................... 67

4.2 4.2.1

4.2.2

Religiöse Bewegungen im hohen Mittelalter ..................... 68 Ordensgemeinschaften ...................................................... 69 - Benediktiner ..................................................................... 69 - Franziskaner .................................................................... 70 Ketzer ................................................................................. 71

4.3 4.3.1

Die Philosophie des Mittelalters ........................................ 73 Thomas von Aquin und seine Anlehnung an Aristoteles ... 74

4.4

Das Symbol des Labyrinths ............................................... 77

5.

Aspekte zur Diskussion ........................................... 79

5.1 5.1.1 5.1.2

Das Namenlose Unbekannte Zeichen .......................................................... 79 Die Rose, das unbekannte Mädchen? ............................... 80

5.2

Annäherung an die Romanintention .................................. 81

6.

Literatur (- Auswahl -) ............................................... 84

6.1

Eingesehene Primärliteratur .............................................. 84

6.2

Eingesehene Sekundärliteratur ......................................... 84

6.3

Sonstige Quellen ............................................................... 86

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VORBEMERKUNGEN Mit weit über acht Millionen verkauften Exemplaren weltweit hat der Roman Il nome della rosa eine erstaunliche Breitenwirkung erlangt. Seit seinem Erscheinen im Jahr 1980 bis heute entstand eine umfangreiche Sekundärliteratur. Es gibt zahlreiche Doktorarbeiten und kommunikationswissenschaftliche Untersuchungen, die der Frage nachgehen, wie ein so umfangreiches Buch im Fernseh- und Computerzeitalter so erfolgreich sein kann. Das Werk Ecos ist schnell zum Inbegriff des postmodernen Romans geworden. Dazu haben allerdings nicht zuletzt der italienische Verlag Bompiani und Eco selbst beigetragen, die durch einen großen Reklameaufwand auf den Roman aufmerksam machten. Der Roman ist so vielschichtig und facettenreich, dass eine Zuordnung zu einer bestimmten literarischen Gattung kaum möglich ist. Er ist sowohl ein Detektiv-, Kriminal- als auch ein philosophischer oder historischer Roman. Ferner kann man ihn als Traktat über die Semiotik (Lehre von den Zeichen) und als Darlegung erkenntnistheoretischer Überlegungen lesen. Es kann in diesem Erläuterungsbändchen nicht darum gehen, alle Facetten des Romans aufzuzeigen oder zu entschlüsseln. Es soll vielmehr ein Einblick in die Vielschichtigkeit des Werks gegeben werden, der Lesern und Leserinnen den Zugang zu Il nome della rosa erleichtert. Die Leser des Romans müssen darauf verzichten, die Aussage des Textes auf eine in sich geschlossene Interpretation hin festzulegen. Eine einseitige Deutung wäre diesem Roman nicht angemessen, denn er lebt von seiner Dynamik und davon, dass er bei mehrmaligem Lesen immer wieder neue Bedeutungen entfaltet. Wie es nicht nur einen Zugang in das geheimnisvolle und kunstvoll konstruierte Aedificium gibt, so gibt es auch zum kunstvoll konstruierten Text verschiedene „Zugänge“.

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Es werden verschiedene Interpretationsansätze aufgezeigt, die der interessierte Leser weiter verfolgen kann. So ist auch das Anliegen von Eco selbst, der in seiner Nachschrift zum „Namen der Rose“ sagt: „Ein Erzähler darf das eigene Werk nicht interpretieren, andernfalls hätte er keinen Roman geschrieben, denn ein Roman ist eine Maschine zur Erzeugung von Interpretationen.“ (Nachschrift, S. 9/10) Die „Maschine“ Der Name der Rose hat hinsichtlich der von ihr ausgelösten Flut von Interpretationen gut funktioniert. Selten zuvor wurde ein Bestsellerroman so kontrovers diskutiert. Es wird dem Kapitel über die Bedeutung der Romanfiguren im Handlungsgefüge viel Raum gegeben, da die Personenkonstellation sehr komplex ist und jede Figur eine bestimmte mittelalterliche Einstellung verkörpert. Ohne deren Deutung ist eine Interpretation der Handlung nicht möglich.

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1. UMBERTO ECO – LEBEN UND WERK 1.1 Lebensdaten des Autors Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in Alexandria (Piemont) in Italien geboren. 1954 promovierte er in Turin über Thomas von Aquin. In den 1950er Jahren arbeitete er für die Kulturprogramme des italienischen Fernsehens und des Rundfunks. Ab 1956 publizierte er Zeitschriftenartikel in Il Verri und Rivista di Estetica und 1959 erschien ein erster Aufsatz aus Opera aperta in der Zeitschrift Incontri Musicali. Ab 1959 arbeitete er für den Mailänder Verlag Bompiani und ist dort Herausgeber und Betreuer mehrerer philosophisch-soziologischer und semiotischer Reihen. 1961 ist er Mitbegründer der Zeitschrift Marcatré. Ab 1962 hält er Vorlesungen als Dozent für Ästhetik in Turin und Mailand. 1963 ist er Mitbegründer des gruppo 63 und Mitarbeiter bei The Times Literary Supplement. Ab 1969 arbeitet er für die Zeitschrift L’Espresso. Von 1966 bis 1969 ist er Professor für visuelle Kommunikation in Florenz. 1966 hält Eco Gastvorlesungen in Sao Paulo. 1967 ist er Mitbegründer der Zeitschrift Quindici. 1969 hält er Vorlesungen an der New Yorker Universität und 1970 an verschiedenen argentinischen Universitäten. 1971 wird er als Professor für Semiotik an die Universität von Bologna berufen. Ab 1975 ist er dort Ordinarius und Direktor des Instituto di Discipline della Communicazione e dello Spetacolo. 1971 gründet er die erste internationale Zeitschrift für Semiotik: Versus. Quaderni di studi semiotici. Bis 1974 ist er unter dem Pseudonym Dedalus Mitarbeiter bei Il Manifesto. 1972 hält er Vorlesungen an der Universität von Chicago. 1974 organisierte Eco als Generalsekretär die 1969 in Paris gegründete International Association for Semiotik Studies, den ersten Internationalen Kongress für Semiotik in Mailand. 1979 ist er Mitbegründer der literarischen Monatszeitung Alfabeta. Er hat zahlreiche Gastprofessuren im Ausland, vor allem in den USA. Er ist Mitarbeiter vieler in- und ausländischer Zeitschriften und hat eine regelmäßige Kolumne beim Espresso. 7

Er verfasste zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen (Semiotik) und beeinflusste die Geisteswissenschaften mit Studien zur allgemeinen literarischen und musikalischen Semiotik und zur Kommunikation der Masse. Ferner schrieb er Abhandlungen über die Literatur, die Kunst und die Ästhetik des Mittelalters. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Roman Il nome della rosa, der 1980 in italienischer Sprache erschien und für den er 1981 die Auszeichnung Premio Strega erhält. 1988 ist er Mitbegründer einer Universität der Republik San Marino. Sein neuster Roman L’isola del giorno prima erschien 1994 erstmals in italienischer und 1997 auch in deutscher Sprache. Der Autor lebt heute in Mailand und ist noch immer als Gastdozent an Universitäten in Kanada und den USA tätig. Ferner ist er Mitarbeiter bei zahlreichen literarischen und semiotischen Fachzeitschriften. Zahlreiche Universitäten haben dem Kunstphilosophen, Literaten und Semiotiker die Ehrendoktorwürde verliehen.

1.2 Werke des Autors Im Folgenden sind nur einige von Ecos Werken aufgeführt. Die Titel der ausgewählten Werke zeigen bereits die Themenvielfalt seines schriftstellerischen Schaffens. Die Semiotik und das Mittelalter sind allerdings wiederkehrende Themen seines umfangreichen Werkes. 1.2.1 Fiktionale Prosa 1966

„I tre cosmonauti“, Bompiani, Mailand, (dt. Die drei Kosmonauten. Kinderbuch. Insel-Verlag, Frankfurt a.M., 1971)

1980

„Il nome della rosa“, Bompiani, Mailand, (dt. Der Name der Rose, übers. v. Burkhard Kroeber, Carl Hanser Verlag, München / Wien, 1982); Verfilmung von J.-J. Annaud

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