Das Geisterhaus

Literatur (-Auswahl-) . ... des Chile. Auslöser dieses Romans war ein langer Brief an ihren geliebten .... Aufnahme in die chilenische Academia de Len- gua.
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Königs Erläuterungen und Materialien Band 396

Erläuterungen zu

Isabel Allende

Das Geisterhaus von Magret Möckel

C. Bange Verlag – Hollfeld 1

Herausgegeben von Klaus Bahners, Gerd Eversberg und Reiner Poppe

Hinweis der Herausgeber: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst.

1. Auflage 1999 ISBN 3-8044-1663-2 © 1999 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Printed in Germany

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INHALT 1.

Zu Leben und Werk Isabel Allendes

1.1 1.2

Entstehungsumstände des Romans Das Geisterhaus ........... 5 Biografische Angaben zu Isabel Allende ................................ 6

2.

Zum Text

2.1 2.2 2.3 2.4 2.4.1 2.4.2 2.4.3

Aufnahme des Romans ........................................................ 10 Inhaltsangabe der einzelnen Kapitel .................................... 14 Sachliche und sprachliche Erläuterungen ............................ 61 Personencharakterisierung ................................................... 63 Clara ..................................................................................... 63 Esteban Trueba .................................................................... 65 Kennzeichnung weiterer im Roman auftauchender Personen .............................................................................. 67

3.

Aspekte des Romans

3.1 3.2 3.3 3.3.1 3.3.2 3.3.3 3.3.4 3.4 3.4.1 3.4.2

Das Geisterhaus als Zeitroman ............................................ 78 Autobiografische Bezüge ...................................................... 87 Inhaltliche Aspekte ............................................................... 91 Schweigen, Reden und Schreiben ....................................... 91 Geschichten erzählen .......................................................... 96 Gestaltung der Männer und Frauen im Geisterhaus ............ 99 Ein Haus der Geister .......................................................... 105 Formale Gestaltung des Romans ....................................... 107 Erzählhaltung: ..................................................................... 107 Genre und Stil des Geisterhauses ..................................... 110

4.

Literatur (-Auswahl-) .................................................. 115

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1. ZU LEBEN UND WERK ISABEL ALLENDES 1.1 Entstehungsumstände des Romans Das Geisterhaus Das Geisterhaus, Isabel Allendes erster Roman, entstand im Exil, in das Isabel Allende nach dem Militärputsch und dem Tod ihres Onkels, des Präsidenten Salvador Allende, gehen musste. In diesem Roman verarbeitet sie sowohl ihre persönliche Kindheit als auch die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen ihres Heimatlandes Chile. Auslöser dieses Romans war ein langer Brief an ihren geliebten Großvater, den sie, obwohl er im Sterben lag, nicht besuchen konnte. In Paula beschreibt Isabel Allende für ihre todkranke Tochter die Begleitumstände dieses Romans: „Heute ist der 8.Januar 1992. An einem Tag wie heute vor elf Jahren fing ich in Caracas einen Brief an, um mich von meinem Großvater zu verabschieden, der im Sterben lag mit einem Jahrhundert Kampf auf dem Buckel. Seine festen Knochen widerstanden noch, obwohl er sich seit langem darauf vorbereitete, der Meme1 zu folgen, die ihm von der Türschwelle aus winkte. Ich konnte nicht nach Chile zurück, aber es kam nicht in Frage, ihn mit dem Telefon zu nerven, das er so verabscheute, und ich wollte ihm doch sagen, er solle ganz beruhigt sein, nichts würde verlorengehen von dem Schatz an Geschichten, die er mir im Laufe unserer Freundschaft erzählt hatte, ich hätte nichts vergessen. Bald danach starb der alte Mann, aber das Erzählen hatte mich erwischt, und ich konnte mich nicht mehr stoppen, eine andere Stimme sprach durch mich, ich schrieb in Trance, mit dem Gefühl, ein Wollknäuel zu entwirren, und mit derselben Dringlichkeit, mit der ich auch heute schreibe. Am Ende des Jahres waren fünfhundert Seiten zusammengekommen, und ich begriff, daß das mehr als ein Brief war, also verkündigte ich der Familie schüchtern, ich hätte 1

Dies ist der Kosename der Großmutter Isabel Allendes.

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ein Buch geschrieben. ‚Wie ist der Titel?‘ fragte meine Mutter. Wir stellten eine Liste auf, aber wir konnten uns auf keinen Titel einigen, und schließlich hast du, Paula, eine Münze geworfen, um die Sache zu entscheiden. So wurde mein erster Roman, Das Geisterhaus, geboren und getauft, und so machte ich mich vertraut mit dem unheilbaren Laster des Geschichtenerzählens. Das Buch rettete mir das Leben.“ 2 Der Roman wurde der Anfang der weltweiten Anerkennung und Popularität der Schriftstellerin Isabel Allende. Sie wurde damit eine der ersten weiblichen lateinamerikanischen Schriftstellerinnen von Weltruhm.

1.2 Biografische Angaben zu Isabel Allende 1942

Geburt Isabel Allendes am 2.August in Lima (Peru). Sie ist das älteste Kind von Tomas Allende (chilenischer Diplomat) und Francisca Llona. Geschwister: Pancho und Juan.

1945

Trennung der Eltern. Isabel Allende kehrt mit ihrer Mutter und ihren zwei Geschwistern nach Santiago de Chile zurück und verbringt einen großen Teil ihrer Kindheit im Haus der Großeltern.

1953

Umzug nach La Paz (Bolivien). Mutter begleitet ihren Lebensgefährten, einen chilenischen Diplomaten, mit ihren Kindern dorthin.

1956

Umzug der Familie nach Beirut.

1958

Rückkehr nach Santiago de Chile.

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Isabel Allende, Paula, suhrkamp taschenbuch, Frankfurt a. Main 1998, S. 16 f

1960

Mitarbeit im Informationsdienst der FAO (UNOOrganisation für Ernährung und Landwirtschaft), Fernsehmoderation.

1962

Heirat mit dem Bauingenieur Michael Frias.

1963

Geburt der Tochter Paula.

1965

Studienaufenthalt in Genf und Brüssel.

1966

Reise durch Europa, Rückkehr nach Chile und Geburt des Sohnes Nicolas.

1968

Redakteurin der einzigen feministischen Zeitschrift Chiles, Paula; Herausgeberin einer Kinderzeitschrift (Mampato) bis 1975

1970

Ihr Onkel, Salvador Allende, wird Präsident der Unidad Popular-Regierung in Chile

1971

Uraufführung ihres Theaterstücks El Ebajador (Der Botschafter) Großer Erfolg ihrer musikalischen Revue CafeKonzert.

1972

Fernsehmoderation (bis 1975), Reportagen, Diskussionsrunden im Fernsehen

1973

Uraufführung der Theaterstücke La Balada de Medio Pelo (Die Ballade vom halbseidenen Aufstieg) und Yo soy la Transito Soto (Ich bin Transito Soto) Tod ihres Onkels Salvador Allende nach dem Militärputsch am 11.September.

1974

Herausgeberin einer chilenischen Filmzeitschrift und Autorin verschiedener Kinderbücher.

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1975

Uraufführung des Stückes Los siete espejos (Die sieben Spiegel). Beginn des Exils in Caracas (Venezuela). Ende des Exils: 1988.

1981

Tod des Großvaters, Brief an ihn (wird zur Grundlage des Geisterhauses).

1981

Erscheinen des ersten Romans La casa de los esperitos (Das Geisterhaus, dt. 1984) in Spanien.

1984

Erscheinen ihres zweiten Romans De amor y de sombra (Von Liebe und Schatten, dt. 1986); Kindergeschichten. Wahl der Autorin von BuchMarkt und Buchreport zum Autor des Jahres, Das Geisterhaus zum Buch des Jahres.

1986

Wahl der Autorin von BuchMarkt zum Autor des Jahres, Von Liebe und Schatten zum Buch des Jahres.

1987

Erscheinen des Romans Eva Luna (Eva Luna, dt. 1988) Scheidung von Michael Frias.

1988

Heirat mit dem Rechtsanwalt William Gordon in San Francisco.

1989

Erscheinen der Erzählsammlung Cuentas de Eva Luna (Geschichten der Eva Luna, dt. 1990). Aufnahme in die chilenische Academia de Lengua.

1991

Erscheinen des vierten Romans El Plan Infinito (Der unendliche Plan, dt. 1992) Ehrenprofessur der Universität Chile und Ehrendoktorwürde der NY State University. Erkrankung ihrer Tochter Paula.

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1992

Tod der Tochter Paula in Madrid.

1993

Verfilmung des Geisterhauses (Regie: Bille August).

1994

weitere Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden. Verfilmung von Von Liebe und Schatten (Regie: Betty Kaplan). Erscheinen von Paula (Paula, dt. 1995). (Verfilmung und Theaterversion von Paula in den USA).

1997

Erscheinen von Afrodita. Cuentos, recetas y otros afrodisiacos (Aphrodite – Eine Feier der Sinne, dt.1998).

1998

Wahl des Geisterhauses zum Roman des Jahrhunderts vom Suhrkamp Verlag.

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2. ZUM TEXT 2.1 Aufnahme des Romans Das Geisterhaus ist der erste Roman der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende. Sie hatte zwar schon vorher schriftstellerische Tätigkeiten ausgeübt, u.a. als Redakteurin der Zeitschrift Paula, als Herausgeberin von Kinderzeitschriften und -büchern, sowie als Autorin verschiedener Theaterstücke und Revuen. Dazu arbeitete sie als Journalistin und Moderatorin. Dennoch war die 1942 geborene Autorin völlig unbekannt, auch zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses ersten Romans im Jahre 1982. Da sie in Lateinamerika keinen Verleger für ihr rund fünfhundert Seiten starkes Manuskript finden konnte, versuchte sie es in einem anderen Spanisch sprechenden Land und ging nach Spanien, wo der Verlag Plaza & Yanes es schließlich ohne großen Werbeaufwand neben anderen Texten herausgab. Auch die Übersetzungen wurden erst nach und nach veröffentlicht. Rezensionen erschienen in der Mehrzahl erst, als durch Mund-zu-Mund-Propaganda der Roman schon reißenden Absatz gefunden hatte. Sie selbst rechnete nicht mit dem großen Erfolg ihres Buches und berichtet lächelnd von der Bereitschaft ihrer Mutter, ihr Erspartes zum Aufkauf einiger Exemplare des Romans zu verwenden, damit das Buch kein allzu deprimierender Reinfall werden würde. Dennoch wurde ihr Roman zum Bestseller, wurde in viele verschiedene Sprachen übersetzt und machte die Autorin weltbekannt. 1998 nahm der Suhrkamp Verlag, der auch die deutschsprachige Übersetzung herausgegeben hatte, den Roman in die Reihe der „Romane des Jahrhunderts – Wertvolle Bücher zum Lesen, Wiederlesen, Schenken und Sammeln“ auf. In der Begründung dazu heißt es: „Das Geisterhaus ist die Familiensaga des chilenischen Patriarchen Esteban Trueba, dessen Geschichte untrennbar mit der Geschichte der Frauen seines Hauses verknüpft ist: Sie macht er immer wieder zu Leidenden, und durch sie schließlich wird er selbst fähig zu Leid 10

und Erbarmen. Der Erfolg dieses Buches in aller Welt verdankt sich nicht nur dem großen Erzählstoff, sondern auch dem hinreißenden Erzähltemperament seiner Autorin: Souverän, mit Phantasie und Witz, mit Zärtlichkeit und Ironie, mit Ernst und scharfem Blick malt Isabel Allende das große Tableau einer Familie über vier Generationen hinweg. „Ein Stück ‚Vom Winde verweht‘, erkannte die Frankfurter Allgemeine Zeitung, als sich der Welterfolg von Isabel Allendes erstem Roman abzeichnete.“ „Kein lateinamerikanischer Roman hat bisher einen derart durchschlagenden Erfolg gehabt wie ‚Das Geisterhaus‘ von Isabel Allende. In einem Jahr erreichte diese erste literarische Arbeit der bis 1982 völlig unbekannten Autorin allein in Deutschland eine Auflage von fast 100.000 Exemplaren. ... Das spanische Original erschien nach kaum zwei Jahren in siebter Auflage. Gabriel Garcia Marquez und andere Autoren des Booms der sechziger Jahre haben dazu länger gebraucht.“ Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt Nr. 19, 12. Mai 1985

„Nur von außen und oberflächlich betrachtet handelt es sich bei diesem Buch um eine der uns (bis zum Überdruss) geläufigen Familienchroniken. ... Nur formal lässt sich diese chilenische Familienchronik mit europäischen Vorbildern vergleichen. Denn die Erzählung exponiert eine Wirklichkeit, die uns Europäern nicht nur fremd vorkommen und fremd bleiben, sondern vor allem ‚unwirklich‘ erscheinen muss: lateinamerikanische Realität. Wenn etwas zum Vergleich dienen kann, dann Gabriel Garcia Marquez’ Roman ‚Hundert Jahre Einsamkeit‘. Nur hat Isabel Allende diesem Vor-Bild weder ab- noch nachgeschrieben. ... Isabel Allende (ist) ein (fast) unmögliches Unterfangen gelungen ( ): Lebensgeschichte und politische Geschichte anschaulich zu verbinden. ... Zwanglos sind Motive und Handlungsfäden miteinander verknüpft, und zwar mit einer erstaunlich erzähleri11