Alia - 4

Coverbild: © Tara / fantasiafrogdesigns.wordpress.com. Printed in Germany. AAVAA print+design. Taschenbuch: ISBN 978-3-8459-1593-7. Großdruck:.
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C. M. Spoerri

ALIA Das Auge des Drachen Band 4 Fantasy

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© 2015 AAVAA Verlag Alle Rechte vorbehalten 1. Auflage 2015 Umschlaggestaltung: AAVAA Verlag Coverbild: © Tara / fantasiafrogdesigns.wordpress.com Printed in Germany

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ISBN 978-3-8459-1593-7 ISBN 978-3-8459-1594-4 ISBN 978-3-8459-1595-1 ISBN 978-3-8459-1596-8 Mini-Buch ohne ISBN

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Für dich

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Prolog Celina beobachtete, wie Ramor vor ihr im Zimmer unruhig hin und her ging. Sie saß auf einem vergoldeten Sessel, der mit weichem, schwarzem Samt überzogen war, doch sie hatte keine Augen für den Prunk um sie herum. Zu viele Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf, seit sie die Vision gehabt hatte. »Bist du dir ganz sicher?«, Ramor blieb vor ihr stehen und sah auf sie herunter. In seinen dunklen Augen las sie sowohl Unsicherheit als auch Wut, Letztere war jedoch nicht auf sie gerichtet. »Ja, das bin ich«, erwiderte sie fest. »Und wenn mein Vater davon erfährt, wird er nicht zögern, und uns beide – uns drei – töten lassen. Vergiss nicht, er braucht mir nur ein einziges Mal in die Augen zu sehen, dann weiß er von unserem Mädchen.« 5

‼Verflucht …※, Ramor raufte sich das kurze, schwarze Haar und nahm seine unstete Wanderung durch das Zimmer wieder auf. Von draußen war der Schrei einer Möwe zu hören. Ein kühler Wind blies in die langen, weißen Vorhänge, die die Fenster verdeckten, und machte die schwülwarme Hitze des Abends erträglicher. Celina fuhr gedankenverloren über ihren Bauch, der mit jeder Woche wuchs. Bald würde sie ihn unter ihren weiten Gewändern nicht mehr verbergen können. Sie war im sechsten Monat und man erkannte deutlich ihre Rundungen. Zum Glück interessierte sich ihr Vater herzlich wenig für sie. Das kam ihr jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben zugute, denn er hatte noch nichts von ihrer Schwangerschaft bemerkt. Sie sah ihn viel zu selten, als dass es ihm auffallen konnte und natürlich versuchte sie, ihm in letzter Zeit noch stärker aus dem Weg zu gehen, als sie es ohnehin schon tat. Seit Celina wusste, dass in ihr ein Mädchen heranwuchs, freute sie sich umso mehr auf ihr 6

Kind. Sie hatte sich immer schon eine Tochter gewünscht, nur war ihr dieses Glück nie vergönnt gewesen. Es grenzte an ein Wunder, dass sie überhaupt von Ramor ein Kind hatte empfangen können, normalerweise wurden Magier in ihrem Alter unfruchtbar. Auch Ramor war mehrere hundert Jahre alt und eigentlich nicht mehr dazu fähig, ein Kind zu zeugen. Celina erinnerte sich noch genau an den Tag, als sie zum ersten Mal ihre Erdmagie in ihren Körper geschickt, und bemerkt hatte, dass sie ein Kind in sich trug. Und auch den Moment, als sie Ramor, der ebenfalls Erdmagie beherrschte, das Geschlecht des Kindes feststellen ließ, würde sie nie vergessen. Er hatte die Augen geschlossen gehabt, aber die Tränen waren ihm über die Wangen geronnen, als er leise geflüstert hatte: »Es wird ein Mädchen.« Beide hatten sich darauf in den Armen gelegen und vor Freude geweint. Es schien, als ob die Götter ihnen besonders wohl gesonnen waren, ihre Liebe mit einem Kind krönen wollten und große Pläne mit 7

ihnen hatten – das hatte die Vision, die sie soeben Ramor erzählt hatte, ihr deutlich gezeigt. »Lass uns so bald wie möglich aus Merita verschwinden«, beschloss Ramor, der abermals stehen geblieben war. »Wenn deine Vision stimmt, dann ist unsere Tochter in Gefahr. Er wird niemals zulassen, dass sie zur Welt kommt.« Celina nickte. ‼Nein, das wird er nicht … aber wohin sollen wir fliehen? Bis zur Niederkunft dauert es nicht mehr lange. Ich kann unser Kind doch nicht auf der Flucht zur Welt bringen.« Ramor nahm ihre Hand in seine und küsste sie. »Ich werde dir beistehen«, sagte er leise und seine dunklen Augen ruhten sanft auf ihrem Gesicht. »Mit meinen heilenden Kräften kann ich dir helfen und du bist eine solch mächtige Magierin … zusammen werden wir es schaffen.« Celina erwiderte seinen Blick zweifelnd. »Du weißt, wie wichtig es ist, dass sie überlebt«, 8

flüsterte sie. »Die Vision war eindeutig: Sie wird die Zirkel wieder auf den richtigen Weg führen. Den Weg, der meine Großmutter für sie vorgesehen hatte.« Ramor hob die Schultern. »Das kann sie aber nur, wenn wir so weit wie möglich von deinem Vater weg sind, wo sie in Ruhe aufwachsen und ihre Kräfte entwickeln kann.« »Er wird uns verfolgen lassen«, Celina stand auf und Ramor stützte sie, als sie zum Fenster ging. »Selbst wenn er nichts von unserer Tochter weiß – sobald er merkt, dass wir geflohen sind, wird er uns verfolgen und töten lassen. Ich weiß zu viel über ihn. Zu viel, das ihm schaden könnte, wenn ich es den falschen Menschen erzähle.« ‼Den Falschen … oder den Richtigen※, gab Ramor zu bedenken. Celina antwortete nicht, sondern ließ ihren Blick über das Meer schweifen, auf dem sich das Licht des aufgehenden Mondes spiegelte. Ramor trat hinter sie und legte seine Hände auf 9

ihren Bauch. Liebevoll streichelte er darüber. »Ich spüre sie treten«, flüsterte er ergriffen. »Das tut sie immer, wenn du in der Nähe bist«, Celina drehte den Kopf lächelnd zu ihrem Liebsten um. »Ich glaube, sie kann es kaum erwarten, dich kennenzulernen.« »Und ich sie«, murmelte Ramor. »Wem sie wohl ähnlich sieht?«, sie strich über seine Wange. »Bestimmt ist sie ebenso schön und anmutig wie ihre Mutter«, er hielt ihre Hand fest. Sie sah ihm liebevoll in die Augen. »Und wenn sie nur halb so stark und tapfer ist wie du, mein Liebling, dann wird sie ihr Schicksal annehmen und erfüllen können«, lächelte sie. Dann wandte sie sich wieder dem Meer zu. »Wann wollen wir aufbrechen?« »So bald wie möglich. Lass mich alles vorbereiten, dann können wir in wenigen Tagen los. Ich werde meinem Bruder schreiben, vielleicht kann er uns irgendwie helfen.« »Dein Bruder?«, Celina sah ihn zweifelnd an. »Der ist meinem Vater doch ebenso ergeben, 10

wie die anderen Zirkelleiter und tut alles dafür, um die Macht, die er ihnen gibt, zu behalten.« »Er war nicht immer so«, wandte Ramor ein. »Früher einmal, da wusste er, was Gut und was Böse ist und ließ sich nicht so leicht beeinflussen. Ich hoffe, dass irgendwo in ihm noch ein Funken dieser Person steckt. Dann wird er uns helfen. Er wird uns verstecken, sodass sich die Prophezeiung erfüllen kann.« Celina seufzte leise. »Wir müssen ohnehin zunächst die Talmeren überwinden, ehe wir nach Chakas gelangen. Und dann können wir immer noch entscheiden, wohin wir uns wenden. Wenn mein Vater uns tatsächlich verfolgen lässt, können wir keinesfalls zu deinem Bruder fliehen. Er würde uns mit Sicherheit meinem Vater ausliefern, nur schon, um seinen Posten als Zirkelleiter von Chakas nicht zu gefährden.« »Du verkennst ihn«, widersprach Ramor. »Er wird uns helfen.« »Du vergisst, dass er sich vor vierhundert Jahren, bei der Ernennung der neuen Zirkelleiter, 11

freiwillig für die schwarze Magie entschieden hat.« ‼Ja, das hat er … und dennoch ist er ein guter Mensch.« »Das bezweifle ich gerade, mein Liebling. Keiner, der freiwillig das Leben anderer gefährdet, nur um an mehr Macht zu gelangen, ist ein guter Mensch. Und Schwarzmagier tun genau das: Sie nähren ihre Kräfte durch die Wärme von anderen ohne Rücksicht darauf, ob sie sie dabei umbringen oder nicht. Alle Zirkelleiter sind selbstsüchtig und gieren nach Einfluss und Reichtum, mein Vater hat sie genau deswegen auf ihre Posten gesetzt. Sie lassen sich mit Macht kaufen. Dein Bruder bildet da leider keine Ausnahme.« »Trotzdem wird er uns helfen.« Celina sah ihn stirnrunzelnd an und atmete tief durch. »Wie auch immer, lass uns nicht darüber streiten, Liebster. Das macht sie unruhig«, sie deutete auf ihren Bauch. »Du hast recht«, lächelte Ramor und streichelte abermals den gewölbten Leib seiner Gelieb12

ten. »Es ist ein Wunder, dass die Götter uns ein Kind geschenkt haben«, meinte er nach einer Weile. »Ja, das ist es«, flüsterte Celina und hielt seine Hand auf ihrem Bauch fest. »Wir sind wahrlich gesegnet, dass wir uns haben. Dass ich dir begegnet bin.« »Wenn ich daran denke, dass dein Vater dich an diesen arroganten Zirkelleiter von Lormir verheiraten wollte …※ »Lass uns nicht mehr davon sprechen«, Celina drehte sich um und hielt einen Finger an seinen Mund. »Das ist längst Vergangenheit. Sehr viel Zeit ist seither verstrichen und ich habe ihm gehörig die Lust an einer Heirat mit mir verdorben«, sie lächelte bei der Erinnerung daran, wie sie den Zirkelleiter an seiner verwundbarsten Stelle getroffen hatte: seinem Stolz. Sie hatte bis dahin nicht geglaubt, dass ein Mann so wütend werden könnte. »Und dafür liebe ich dich«, Ramor zog sie an sich und gab ihr einen zärtlichen Kuss. »Für deinen Mut.« 13

Kapitel 1 Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, es wird bald Mittag sein. Ich strecke mich wohlig und wende mein Gesicht zu Zaron. Er hat sich aufgrund der brütenden Hitze, die hier in Chakas Tag und Nacht anhält, von den leichten Decken befreit und liegt neben mir, wie die Götter ihn erschaffen haben. Liebevoll wandert mein Blick über seinen Körper. Sein langes, schwarzes Haar ist wie immer offen und seine Gesichtszüge wirken entspannt. Die Bartstoppeln geben ihm ein verwegenes Aussehen und sind ebenso dunkel wie die feinen Härchen, die sich auf seiner breiten Brust krausen. Er hat eine Hand auf den Bauch gelegt, während sich die andere unter seinem Kopf befindet. Ein warmes Kribbeln durchläuft meinen Körper, als ich ihn so entspannt und tief schlafend neben mir liegen sehe. 14

Wir haben uns Erholung mehr als verdient nach der Flucht durch die Goharwüste. So viel ist seit Bairout geschehen, seit wir in der Hafenstadt von Reyvan entführt worden sind und nur mit viel Glück und der Hilfe des Kampfmagiers Duhr fliehen konnten. Danach sind wir den Renóvai Akil und Sabeeha begegnet und Akil hat mir die Gabe der Wiedergeburt geschenkt. Ohne ihre Hilfe wären wir in der Goharwüste an unseren Verletzungen gestorben. Meine Gedanken wandern zu Reyvan. Steht er wirklich unter einem Bann von Xenos? Leider deutet alles darauf hin, dass der Zirkelleiter von Lormir aus ihm eine Marionette gemacht hat. Die ganze Zeit, als wir durch die Wüste nach Chakas geflohen sind, habe ich gespürt, dass wir verfolgt wurden und ich bin mir sicher, dass Reyvan unter den Verfolgern war. Hoffentlich findet er uns hier, im Zirkel von Chakas nicht. Chakas … ich hatte zwar gehofft, dass ich in dieser Stadt endlich Antworten auf meine Fragen erhalten würde, hätte jedoch nie mit dem 15