27. Dezember 2015 Ostschweiz am Sonntag

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Leben

27. Dezember 2015 Ostschweiz am Sonntag

Bilder: Ernst Hohl

Ein archaisch anmutendes Spektakel: In Küssnacht am Rigi ziehen während des Klausjagens um die 200 Infulträger, umgangssprachlich Iffeler genannt, durch die Gassen des Dorfes.

Es hat Magie. Es erzeugt Gänsehaut. Wenn in Küssnacht am Rigi 1700 Männer mit ihren Iffelen, Geisseln und Trichlen durchs vollständig verdunkelte Dorf ziehen, schauen Tausende von Menschen begeistert zu.

Mit Geisseln und Iffelen

BRIGITTE SCHMID-GUGLER

D

ie Wellen am Ufer züngeln nervös gegen den Schiffssteg. Als ob der See am Fuss des Rigis die besonderen Schwingungen dieses Tages bereits in sich aufgenommen hätte. Der Himmel ist grau verhangen – kein guter Vorbote für das bevorstehende Ereignis. Regen würde den aus Karton hergestellten Iffelen schwer zusetzen. Hanstoni Gamma empfängt die Besucherin gleich beim Eingang zur Chlausjägergasse, wenige hundert Meter vom Ufer des Vierwaldstättersees entfernt. Es ist früher Abend des 4. Dezembers. Wenn der Nikolaustag auf einen Sonntag fällt, wird das Klausjagen, das sonst jeweils am 5. Dezember stattfindet, um einen Tag vorverschoben. Gamma, Vorstandsmitglied, Iffelenchef und Materialverwalter in der Küssnachter St. Niklausengemeinschaft, ist wenige Stunden vor dem grossen Umzug die Ruhe selbst. Es beginnt zu regnen, doch er gibt sich zuversichtlich: «Wir haben immer Glück.» Der Vater von drei erwachsenen Kindern ist selber seit seiner Jugend ein Iffeler. Bei jedem der in den Boden der Gasse eingelassenen Flachskulpturen aus Stahl bleibt er stehen und erklärt deren Bedeutung: «Infulträger, wie die Iffeler umgangssprachlich heissen, Trichler, Geissler und Hornbläser.» Die künstlerische Intervention von Nicolas Wittwer und Thomas Baggenstoos ging im Jahr 2010 als Gewinnerprojekt aus einem Wettbewerb hervor.

machen wir halt. Hier im trockenen Keller mit den hohen Räumen verschlägt es einem zum ersten Mal die Sprache: Zauberhafte Gebilde stehen dicht nebeneinander, bereit für den nächtlichen Umzug. Neben etlichen kleineren Iffelen, jede individuell gestaltet, steht auch Gammas Prunkstück. Eine Iffele, die bis knapp unter die Decke reicht, also fast vier Meter hoch ist, wartet auf ihren Einsatz. An dem speziellen Requisit des Volksbrauches, aus heidnischer Vorzeit ins Christentum gerutscht, hat sein Besitzer um die tausend Stunden gearbeitet. Die filigran-ornamentalen Motive hat er an der Rückseite mit farbigen Folien ausgekleidet. Im Hohlraum der Iffelen, welche der Form einer bischöflichen Mitra nachempfunden sind, befindet sich eine metallene Konstruktion als «Stellwerk» und Halterung für die Kerzen. Es gehöre zum grossen Stolz jedes Iffeler, von denen am Klausjagen um die 200 am Umzug teilnehmen, die eigene Iffele herzustellen, erklärt Gamma, der mit seinem «Riesenhut» eine der grössten Küssnachter Iffelen besitzt. Schwer vorstellbar, dass ein einzelner Mann die zwan-

zig Kilo schwere Iffele allein zu tragen vermag, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Doch genau dies wird wenig später der Fall sein und noch damit getoppt, dass während des Gehens, und ohne dabei stehenzubleiben, in blitzartigen Aktionen die Träger nach einer Weile ausge-

Bunte Rosetten und ornamentale Muster auf einer Iffele.

Ornamentale Muster Die Klausengesellschaft achte darauf, dass der Anlass nicht zu einem Jahrmarkt verkomme. Einen Kebab- oder Zuckerwattestand suche man am Klausjagen vergebens, sagt Gamma. Beim Haus seiner Mutter, wo diese im Parterre jahrzehntelang eine Mercerie betrieben hatte,

Die Muster werden auf Karton gezeichnet und ausgestanzt.

wechselt werden. Dafür treten zwei Männer seitlich an den Träger heran, behändigen die Griffe, der Träger geht in die Knie, der neue Iffeler, mit einem Traghelm ausgestattet, schlüpft unter den «Hut». Das Ganze dauert wenige Sekunden und wird von den dicht am Strassenrand stehenden Menschen gar nicht wahrgenommen. Wir betreten die Wohnung von Gammas Mutter, wo ein Tisch für zahlreiche Gäste gedeckt ist und – wo sich einer der besten Logenplätze im Rigidorf befindet. Von ihrem kleinen Balkon aus lässt sich einerseits die Gasse überblicken, durch die sich der Umzug bewegen wird, andererseits gibt er den Blick frei hinüber zum Hauptplatz, wo sich nun bereits die ersten Geisslergruppen um den grossen Brunnen ver-

sammelt haben und abwechslungsweise ihre Rhythmen chlepfen. Gamma erzählt von der Versammlung der Klausjägergesellschaft, welche eine Woche vor dem Umzug stattfand. Die Gesellschaft zählt über 1900 männliche Mitglieder. Ab dem sechzehnten Altersjahr dürfen Jugendliche beitreten und am abendlichen Umzug teilnehmen. Für Schulbuben findet am Nachmittag des Klausjagens ein separater Umzug statt. An der diesjährigen Versammlung seien besonders viele, nämlich 740 Mannen anwesend gewesen, erzählt Gamma schmunzelnd. Es galt, zum ersten Mal über den Antrag abzustimmen, ob künftig auch Frauen am Umzug mitgehen dürfen. Das Resultat war eindeutig: 720 Eidgenossen stimmten dagegen, 20 dafür. Der traditionelle Brauch sowie dessen «Begleiterscheinungen» sei und bleibe Männersache: Nach dem Umzug ziehen die Klausjäger in Gruppen die ganze Nacht durchs Dorf und durch die Gasthäuser, um sich zum letzten gemeinsamen Rundgang, dem «Sächsizügli», erneut zu versammeln. Traditionell wird ihnen «Rippli mit Chrut» serviert, dazu wird, nicht zu sparsam, getrunken. Auch das hat Tradition. Im 18. Jahrhundert seien die «Auswüchse» so beunruhigend gewesen, «dass bei einem Pfund Busse sie solches in solchem Ungestüm nicht mehr tun sollen», steht darüber im Küssnachter Ratsprotokoll von 1732.

Früher gefährliches Treiben Der Volkskundler Alfred Schaller-Donauer, der 1912 in einem Band für Volkskunde einen Text zum Küssnachter Klausjagen verfasste, befürchtete gar, der Volksbrauch, der im 19. Jahrhundert zu einem immer wilderen und unkontrollierten, teilweise gefährlichen Treiben verkam, werde wohl wegen den «polizeilichen Verfügungen» bald nicht mehr abgehalten. Erst ab Fortsetzung auf Seite 20

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1928 erhielt das Klausjagen durch die Gründung der Gesellschaft Regeln und eine neue und verbindliche Form. Es sollte nicht mehr wie früher mehrere Wochen dauern, sondern nur noch in Form eines einmaligen Umzuges stattfinden. Indem man das Klausjagen unter das Patronat des St. Nikolaus stellte, der in der Mitte der Klausjäger mitschreitet und vor dem Umzug Geschenke an Bedürftige und Kinder verteilt, unterlegte man den Brauch mit einem christlichen Symbolgehalt und somit einer neuen Legitimation. Vom Platz herauf sind die Geisselchlepfer zu hören. Trichlergruppen sind zum Ausgangspunkt des Umzugs unterwegs. Und pünktlich um 20.15 Uhr ertönt ein Böllerschuss. In allen Häusern, Strassen und Gassen geht das Licht aus. Das Dorf liegt in vollkommener Dunkelheit. Und plötzlich, als schwebendes Lichtermeer, tänzeln, hüpfen die Iffeler heran, sich dre-

«Das Klausjagen ist und bleibt ein Brauch unter Männern.» Hanstoni Gamma Iffeler und Vorstandsmitglied hend und da und dort verbeugend, so leicht und behende, als wären ihre meterhohen Kopfzierden aus Seidenpapier. Ihnen folgen die Musikanten. Mit Hörnern und Blechinstrumenten blasen sie einen rhythmischen Dreiklang, der einem noch Wochen später in den Ohren liegt. Und stetig nimmt nun das ohrenbetäubende Dröhnen der sich nahenden Trichler zu. Wie ein kaum endender Geisterzug schreiten sie im Takt durch die Gasse, mit weissen Kutten, Kapuzen und den um den Bauch geschnallten riesigen Glocken. Die Gefühle sind elektrisiert. Sie flattern zwischen masslosem Staunen und Erschrecken über die Wucht der akustisch und physisch so präsenten Männermasse. Und man begreift: Alles sich Einlesen und sich Vorbereiten auf das Ereignis hat wenig genützt. Das Klausjagen muss man erleben, mitten drin sein und dabei spüren, wie der eigene Körper zu vibrieren beginnt. Eine Art Delirium breitet sich aus, und ja, der Regen hatte mit dem Beginn des Umzugs aufgehört.

27. Dezember 2015 Ostschweiz am Sonntag

Die Ausstellung «Silvesterkläuse, Glöckler, Klausjäger» im Haus Appenzell in Zürich bietet Einblick in drei alte Volksbräuche und zeigt die imposanten Kopfbedeckungen.

Gemeinsamkeiten und Gegensätze BRIGITTE SCHMID-GUGLER

ZÜRICH. Dass es neben dem Appenzeller Silves-

terklausen, welches jedes Jahr viele Besucher in die Ostschweiz lockt, in der Schweiz und über deren Grenzen hinaus noch andere, sehr eindrucksvolle Bräuche gibt, zeigt momentan eine Ausstellung in Zürich. Das Haus Appenzell bietet einen vertieften und einzigartigen Einblick in gleich drei alte Volksbräuche, welche um die Advents- und Weihnachtszeit herum stattfinden. In seiner gewohnt sorgfältigen Art hat das Team um Ernst Hohl, dem Eigentümer des Hauses an der Bahnhofstrasse, die Ausstellung eingerichtet. Auf mehreren Stockwerken und diesmal noch mit einem zusätzlichen Raum im Untergeschoss werden die spektakulären Kopfputze anschaulich präsentiert. Dazu gibt es erläuternde Schrifttafeln, ergänzt durch viele handwerkliche Utensilien zur Herstellung des Kopfschmuckes und der Masken. Man kann mitverfolgen, wie die Kopfputze hergestellt werden, und erfährt viel Wissenswertes über die jahrhundertealten Traditionen. In einem Videofilm laufen die verschiedenen Bräuche wie ein Kaleidoskop ineinander, begleitet von Gesprächsausschnitten mit Beteiligten. Die Ausstellung wird begleitet von einer von Ernst Hohl und seiner Partnerin, der Filmemacherin Hao Yu konzipierten, reich bebilderten Publikation mit Begleittexten zu den Bedeutungen und der Geschichte der Volksbräuche. Lichtdramaturgie und Klangspuren tauchen die Ausstellung in eine fast schon sakrale Atmosphäre.

Stimmungsvolle Dramaturgie Aus dem Nähkästchen plaudern kann Ernst Hohl persönlich bei den Appenzeller Silvesterkläusen. Er hat als Kind teilweise bei seinen Grosseltern in Urnäsch gelebt, war selber Mitglied eines Schuppels und verbringt bis heute viel Zeit im Dorf, wo am 31. Dezember und am 13. Januar (julianischer Kalender) die «Schöne», «Wüeschte» und die «Schö-Wüeschte» unterwegs sind und vor den Höfen ein Zäuerli anstimmen. Zahlreiche der einzigartigen Masken und Kopfputze mit den dreidimensional dargestellten Alltagsszenen oder Landschaftsbildern, unter anderem Leihgaben aus dem Brauchtums-

Bild: Reinhard Hörmandinger

Die Hauben der Glöckler im österreichischen Ebensee können bis zu 20 Kilo schwer sein.

museum Urnäsch, sind für die Ausstellung nach elektrischem Licht ausgeleuchteten Iffele mit Zürich geholt worden. Es gibt viel Luft zwischen den filigranen Schnitt- und Stanzmustern entden einzelnen ausgestellten Modellen, so dass falten in den verdunkelten Räumen denn auch man um sie herumgehen und sie von ganz nahe ihre ganze Pracht. betrachten kann. Schwieriger zu beschaffen als die Requisiten Die Glöckler von Ebensee der Appenzeller Silvesterkläuse waren die Iffele Vergleichen lassen sich die beiden Schweizer aus dem Kanton Schwyz. Die GeBräuche in der Ausstellung mit sellschaft in Küssnacht am Rigi «Ebensee ist das den ebenfalls sehr aufwendig getut sich schwer damit, die «Hüte» stalteten Glöcklerkappen aus Zentrum und an Ausstellungen zu zeigen. Sie Holz und Tonpapier. Die Glöckder Ursprung sollen traditionell ausschliessler im oberösterreichischen des Brauches.» lich beim Klausjagen präsentiert Ebensee sind jeweils am 5. JaAlois Lanz werden. Erst als einige Mitglienuar unterwegs. Der 160 Jahre Bezirkshauptmann der des Vorstandes nach Zürich alte Brauch im Herkunftsort von gereist seien und sich vor Ort Conchita Wurst gehört zu den vergewissert hätten, dass die Iffele in ihrer gan- bedeutendsten Brauchtumsveranstaltungen im zen Würde gezeigt würden und keine Gefahr Salzkammergut. einer Beschädigung bestehe, hätten sie sich von der Idee überzeugen lassen und eingewilligt. Haus Appenzell, Eingang St. Peterstrasse 16, Zürich, Hanstoni Gamma bestätigt, man sei beein- Öffnungszeiten über die Feiertage: Di, 29.12.; Mi 30.12.; jeweils 12 bis 17 Uhr. Übrige Zeit jeweils Di bis Fr druckt gewesen von der Hingabe und Professio- 12 bis 17 Uhr; Sa 11 bis 17 Uhr; bis 19. März 2016; nalität der Ausstellungsmachenden. Die von www.hausappenzell.ch

Unkommod

Was uns zusammenhält D Postkarte aus Vancouver von Bernadette Calonego, Kanada-Korrespondentin

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egen, Regen, Regen. Das ist die Schattenseite von Vancouver, im Volksmund auch «Raincouver» genannt. Das Klima ist wunderbar mild, auch im Winter. Dafür ist es sehr nass. Ich habe hier auch schon drei Wochen Regen erlebt. Ununterbrochen. Schnee fällt im Winter sehr selten und nur für einige Tage. Dann ist der Spuk vorbei. Für diese nassen, grauen, trostlosen Tage müssen selbst sonnige Gemüter gewappnet sein – vor allem innerlich. Die meisten Leute, die ich kenne, haben eine Regenstrategie. Eine Freundin tapeziert das Bad mit Bildern von Hawaii und trinkt Daiquiri. Ich schalte den Wetterkanal ein und tröste mich mit Berichten von Schneestürmen in anderen Regionen Kanadas. In Vancouver geben Webseiten Ratschläge: Entstaube die Brettspiele und lade Freunde dazu ein. «Chill mit Netflix» im Bett. Kaufe Gummistiefel, wasserdichte Rucksäcke und Taschen – und eine Energielampe. Wenn der Regen nicht aufhören will, rufe ich meine Freundin Susanna im verschneiten Calgary an. Auf meine Klagen antwortet sie: «Wie vermisse ich doch das Geräusch und den Geruch von Regen! Das hilft fast immer.

as neue Jahr steht vor der Türe. Bei mehreren Abstimmungen ist für hinreichend Zündstoff gesorgt. Am emotionalsten wird es bei der Durchsetzung der Ausschaffung krimineller Ausländer sowie beim Verzicht auf die Wiedereinführung von Zuwanderungskontingenten zu und her gehen. Die Spekulation mit Nahrungsmitteln und die Sanierung des Gotthardtunnels werden auch zu roten Köpfen führen. Und auch der Schutz der Privatsphäre, die Stärkung der AHV, der geordnete Ausstieg aus der Atomenergie und die Wiedergutmachung für Verdingkinder werden hitzig diskutiert werden. Parlamentsmitglieder klagen zunehmend darüber, dass die typisch schweizerische Suche nach Kompromissen und Konsens mehr und mehr der Durchsetzung von Eigeninteressen weicht. Grund genug, um sich auf das gemeinsame Fundament zu besinnen und die gemeinsamen Werte zu stärken. Diese Werte stehen leitbildmässig in der Präambel der Bundesverfassung von 1999. Interessant und typisch schweizerisch ist bei der genauen Lektüre der Präambel, dass sich die Werte sprachregional inhaltlich unterscheiden. Im zweiten Satz, wo es auf Deutsch heisst: «im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken», besitzt die italienische Version einen kleinen, aber wesentlichen Zusatz: «risoluti a consolidarne la coesione interna». Offenbar ist für die italienisch sprechende Minderheit im Tessin und in Graubünden die Stärkung des inneren Zusammenhalts

Manche Abstimmungen im neuen Jahr werden für hitzige Debatten sorgen. Der Kampf für Eigeninteressen erschwert zunehmend das Finden von Kompromissen. Grund genug für eine Wertedebatte.

Lukas Niederberger, Publizist. Er wohnt in Rigi-Klösterli.

Reise durch eine urtümliche Welt ST. GALLEN. Jetzt, sozusagen zwischen den Jahren, wäre vielleicht eine gute Zeit, in eine besondere Welt einzutauchen. Eine Gelegenheit bietet das Naturmuseum St. Gallen: Die Sonderausstellung «Gal´apagos – Experimentierfeld der Evolution» zeigt die Faszination einer einzigartigen Inselwelt. Bekannt geworden durch die Evolutionstheorie von Darwin sind die Gal´apagos-Inseln bis heute Ziel zahlreicher Forscher und Naturinteressierten. Mit ihrer urtümlichen, ein-

im Land wichtiger als für die Bewohner nördlich der Alpen. Grund für diesen Zusatz ist eine simple Schlamperei der damaligen parlamentarischen Redaktionskommission. Dieselben Parlamentarier haben auch an einer anderen Stelle auf eine Schlusskontrolle verzichtet. Der Präambelteil «im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben» lautet auf Französisch «d´etermin´es a` vivre ensemble leurs diversit´es dans le respect de l’autre et l’´equit´e». Die französische Version erwähnt die Einheit nicht und ersetzt Rücksichtnahme durch Gerechtigkeit. Dieser Unterschied ist massiv. Und die rumantsche Übersetzung spricht an dieser Stelle von «unitad en toleranza e respect vicendaivel», also von Einheit in Toleranz und gegenseitigem Respekt. Freilich kann man nicht jeden Begriff 1:1 in eine andere Sprache übersetzen. Aber Toleranz ist definitiv nicht dasselbe wie Rücksichtnahme. Es geht nun nicht darum, die Präambel neu zu übersetzen, sondern darum, die Werte dieses Textes regelmässig in Schulen, Vereinen, Parteien und Parlamenten zu diskutieren und die Werte je neu zu deuten und konkret umzusetzen. Manche Lesende wenden vielleicht ein, dass wir wichtigere und dringendere Probleme haben als über unsere Werte zu debattieren. Doch die Wertedebatte ist nötiger denn je, damit klar ist und bleibt, was uns in unserem Land nebst dem starken Franken, dem weissen Kreuz und dem unsäglichen Morgenrot im Innersten zusammenhält.

zigartigen und teils bizarren Tier- und Pflanzenwelt gehören die Gal´apagosInseln zu den ökologisch wertvollsten Gebieten der Erde und sind als Unesco-Weltnaturerbe entsprechend geschützt. Diesen Schutz haben die Inseln auch dringend nötig: Die einzigartige Natur der Gal´apagos-Inseln ist durch eingeschleppte Pflanzen und Tiere, eine zunehmende menschliche Besiedlung und einen ausufernden Tourismus bedroht. Die Ausstellung ist eine Produktion des Zoologischen Museums der Universität Zürich. Acht inselartige Stationen informieren über die vulkanische Entstehung der Inseln, das besondere Klima, über Meerechsen, Seelöwen oder Darwinfinken. (red.)

Lukas Niederberger

10 bis 17 Uhr, Naturmuseum St. Gallen Museumsstrasse 32

Eine Gal´ apagos-Meerechse.